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Takata
ώintersonne .:. ħerzensgut


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Takata ist offline
Kapitel X – Tautropfen 03.08.2015 00:47


Cymbeline


Entweder lag es daran, dass die Wölfe solange keinen Mucks mehr von sich gegeben hatten oder aber sie hatte die Stimmen der anderen akustisch ausgeblendet. Nach gefühlter Ewigkeit einmal wieder horchte sie auf und fragte sich, weshalb es so still um sie geworden war. Doch war es eigentlich still? Sie hörte das Traben im Schnee, ein Stapfen war es. Weißklamm war er, mehr zu einem Matsch geworden, wenn nicht hier und da noch etwas fest. Im Grunde hatte sich wenig verändert. Man hörte das Murmeln hier und da, irgendetwas wurde immer ausgetauscht, und waren es auch nur die Blicke, Gesten oder Körperhaltungen. So war ihr schon früher aufgefallen, dass Skadi ihre Rute hoch getragen hatte – oder zumindest höher, als es ihr bisher aufgefallen war. Natürlich nicht unablässig, es war nur so eine bemerkenswerte Kleinigkeit. Wer wusste schon, ob ihr das selbst überhaupt aufgefallen war. Doch Takata wollte die anderen nicht beobachten. Sie zwang sich, die Wölfe nicht durch Blicke wahrzunehmen, sondern beispielsweise durch ihre Stapfgeräusche. Konnte sie allein anhand dieser Laute, die durch das Bewegen ihrer Läufe entstanden sagen, wer an welcher Position lief? Die Positionen wechselten immer wieder einmal, auch wenn es den Großteil der Zeit über Skadi war, die am weitesten vorn lief. Da war beispielsweise ein schweres Stapfen, ein müdes Stapfen, ein leichtfüßiges und ein unregelmäßiges. Sie tippte bei allen dreien auf Rüden. Wobei das müde Stapfen auch von Catori stammen konnte, die nun endlich wieder in ihrer Nähe war. Es war ein ganz schönes Gefühl sie wieder bei der Gruppe zu haben, sie wohlauf zu wissen. Ein Gefühl von Entspannung, Ruhe, zumindest aber Ausgeglichenheit. Die Einzige bisher, die bereit gewesen war, ihr einen Teil ihrer Gefühlswelt anzuvertrauen. Doch hatte sie die kleinen Signale und Bemerkungen der anderen registriert? Sie dachte noch einmal zurück. Ja, da vor dem Losmarschieren, als sie diese verhängnisvollen Ort der Wiederzusammenkunft verlasen hatten … da hatte Skadi ihr einen Gesichtsausdruck zugeworfen, der hoffen ließ. Hoffen worauf? Auf besseres Land? Das konnte eine willensstarke Fähe auch nicht herbeizaubern. Vielleicht war es mehr so eine Art Rückhaltversicherung, dass sie nicht fiel, wenn jemand anderes die Absicht hegte, sie zu schubsen. Oder es war einfach nur Einbildung oder sie hatte ein Kribbeln verspürt, dass sie dadurch hatte loswerden wollen. Sie redete sich vermutlich zu viel darauf ein. Zunächst hieß es abwarten. Und neben dem Lauschen der Pfotenschritte bemerkte sie auch die Spuren im dünner werdenden Schnee. Hier und da schimmerte dunkle Erde durch die Abdrücke. Der Schnee wurde weniger, bald war es mehr nur noch eine dünne Eisschicht. Wären sie stehengeblieben, wäre er nach einiger Zeit unter ihren Pfotenballen geschmolzen. Aber solange die Abdrücke noch zu erkennen waren, bildeten sie unterschiedliche Muster, Kleine Pfoten, große Pfoten, schwere Pfoten, leichte Pfoten. Wem zum Beispiel gehörte die Spur, er sie schon seit einiger Zeit folgte? Sie ertappte sich dabei, wie sie versuchte, dieselben Schritte zu tun, um das Maß abzunehmen und so auf die Körpergröße des Wolfs zu schließen. Am Ende dieses welpenhaften Spiels, das ihr für den Moment alle Sorgen nahm, stellte sie mit einem kalten Schauer und nach dem Anheben des Kopfes fest, dass die Spur direkt zu Zitas Pfoten führten. Unangenehm berührt wechselte sie die Spur und lief lieber zwischen zwei anderen Wölfen weiter, die ihr weniger missgünstig gesinnt waren.
Nach einiger Zeit konnte sie zwar keine Pfotenspuren mehr erkennen, dafür aber verblichenes Grün, gemischt mit rostigem Braun, das durch die verbliebene Schicht aus Wasser und Eis schimmerte. Sie hatten das Grasland erreicht. Nun wagte sich die Weiße, den Kopf anzuheben, geradeaus zu blicken und sich zu vergewissern, dass sie ganz sicher noch lange nicht am Ziel waren. Alles was sie erkannte waren … Bäume. Die Rinde dieser teilweise nicht sehr großen Bäume war nass und schwarz. Doch suchte man die Gegend weiter ab, so konnte man sich vorstellen, dass weiter ab ein Wald stand. War das hier etwa ein Überbleibsel von Natur? Hatten sie eine Gegend erreicht, die mehr zu bieten hatte außer Schnee und kahlem Gestein? Die Weiße holte tief Luft. Doch spätestens ihr Gehör verriet ihr, dass sie sich nicht mehr nur auf einer Zwischenstation befanden. Es war das Klappern … eines Schnabels. Abrupt nahm sie den Verursacher dieses eigenartigen Geräuschs in Augenschein. Sie sah … einen Storch! Der Vogel saß auf einem etwas höheren Baum, reckte den Hals, den Kopf in die Höhe und klapperte mit seinem knallroten Schnabel. Es entlockte der geplagten Seele ein munteres Lächeln. Ohne länger zu warten schlich sie sich an den anderen vorbei und eilte nach vorn, vorbei an Skadi weiter vorn. Der Storch … er hatte ihr Hoffnungsträger sein sollen, ein Symbol des Nichtaufgebens, der Reise und Beweis genug, dass es noch etwas anderes gab als Einöde und Kälte. In dem Moment, als sie sich langsam etwas näher an den Baum mit dem großen schwarz-weiß-gefiederten Vogel heranschlich … lugte ein zarter Sonnenstrahl zwischen dem Weiß des tristen Himmels hindurch. Zu ihrem Lächeln gesellte sich das Pendeln der Rute, als sie zu verstehen begann, dass die Zeit des Darbens vorüber sein konnte … musste. Eine endlose Reise durch Eis und Schnee hatten sie hinter sich gelassen. Sie waren auf die Probe gestellt worden, doch jetzt wurden sie belohnt. Sie hatten … überlebt. Das sanfte Licht der frühen Sonne ließ ihre Gesichter erstrahlen, es schimmerte im hellen Fell der Weißen und legte eins leichtes Gelborange dahinauf.

„Das Storchenland … wir … haben es gefunden“,

säuselte ihre Stimme von Erleichterung geprägt und sie vermochte es nicht, den Blick von dem eleganten Tier abzuwenden, wie es dort saß und scheinbar nicht weniger die erste Sonne genoss, die sich ihnen nach Monaten zeigte.
Als ihr bewusst wurde, dass dies das Ziel ihrer Reise sein musste, da sich hier die Störche niederließen und der Schnee zu schmelzen begann, ließ sie sich auf das Hinterteil fallen und die Vorderpfoten über den Boden rutschen. Sie war erleichtert, ungeachtet der Unstimmigkeiten im Rudel … doch sie hatten es geschafft. Takata wollt wieder hoffen dürfen, auch wenn der Preis am Ende zu groß sein mochte und von Enttäuschung getragen wurde. Doch was war das für ein Wolf, der zu hoffen verlernt hatte? Er war kein Wolf.


Lange hatte die Vorherrschaft des Winters angehalten. Zu lange für einige von ihnen. Tiere waren gestorben, auch Wölfe. Weit mehr als durch den Kometen selbst. Es war sein Fluch gewesen, der über das Land gekommen war und die Bewohner auf eine Reise durch ihr Selbst hatte antreten lassen. Wie viel hielt ein Wolf aus? Wie weit war er bereit zu gehen? Nicht jeder war im Stande gewesen das Licht am Ende des Tunnels zu erreichen, hatte zu früh Freundschaft geschlossen mit der Schwärze des Nichts‘. Dort wo sie lagen, in ihren kalten Gräbern, entging ihnen der musterhafte Atemdunst der Frühjahrsfrische, dort, wo die kleinen Sonnenstrahlen einem in der Nase kitzelten und man sich plötzlich vor einem unbekannt gewordenen Erdenmitbewohner gegenüberstand – einem Schneeglöckchen zu seinen Pfoten. Das Land der Storchenhalbinsel war das Land der Wölfe. Und mit ihnen sollte auch der Rest wiederkehren. Das uralte Prinzip vom Jäger und Gejagten bekam eine zweite Chance. Wer jetzt überlebt hatte, sollte leben. Die Renaissance der Natur nahm hier ihren Ausgangspunkt. Mit dem Unterseevulkan in unmittelbarer Nachbarschaft war den Bewohnern der Halbinsel ein Stück Lebensgrundlage sicher.Zaghaft war das erste Licht der Sonne … doch mit Aussicht auf mehr. Die Nächte jedoch brachten immer noch Kälte und nur das enge Zusammenrücken der Pelzträger versprach Wärme. Der Schnee war zu deiner dünnen Decke geworden, die nach ein paar Tagen zerbrach und sich zu Inseln zurückzog, wo der Schatten dominierte. Altes, abgestorbenes Gras sollte bald von frischem jungem Grün abgelöst werden und mit etwas Glück bekam man das erste fliegende Insekt zu Gesicht. Die warmen Tage waren noch weit, denn auch die kühle Luft von der Ostseite des Meeres erinnerte noch immer daran, dass der Rest des Landes noch immer in den eisigen Klauen des Winters verharrte. Wer dieses Geschenk nicht annahm und die Schwelle zum Winter überschritt würde an seinem Lebensunwillen zugrunde gehen, darin bestand kein Zweifel.

(mit Skadi, Teyjen, Marrok, Zita, Catori, Niyol, Pilgrim, Shiro und Lynx auf der Storchenhalbinsel am Rande des beerenwaldes (siehe Karte!) )



Hintergrund: Natalia_Kollegova, pixabay | Echoes © LI

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Niyol
Und was, wenn ich fliegen kann?


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Niyol ist offline
10.08.2015 12:30

Wann hatte all das hier angefangen? Noch immer liefen sie durch den Schnee, doch gleichzeitig hatte Niyol das Gefühl dass sich seit dem großen Zusammentreffen irgendein Wandel vollzog. Nicht deutlich feststellbar, eher der Hauch eines Gefühls. Für die Gruppe? Der Rüde war sich nicht sicher, was dieses gelegentliche Kribbeln zu bedeuten hatte. Es war nicht die übliche Vorfreude auf seine Spielchen die er sonst pflegte. Dafür hatte sogar er zu viel Mitleid. Auch wenn er gerne etwas Ablenkung von dieser ewig in weiß blendenden Landschaft und vor allem seinen eigenen Gedanken gehabt hätte, die ihm seit jeher im Weg standen, so wusste er doch, dass nicht nur er mit der Erschöpfung zu kämpfen hatte. Es wäre unfair es den Anderen noch schwieriger zu machen als es ohnehin für sie war. Zumal die Zwistigkeiten vermutlich noch immer nicht wirklich bereinigt waren. Zwar War kein neuer, großer Streit aufgekommen und irgendwie schienen sich alle immer mehr damit ab zu finden, vorerst gemeinsam weiter zu ziehen, aber für ein Rudel würde mehr von Nöten sein. Würden sie eines bilden? Natürlich nicht mit ihm... ~Welch absurder Gedanke, Niyol!~, doch der Rest ihrer Gruppe? Einzig Shiro hatte noch angekündigt zu gehen. Skadis Ambitionen hatten sich seit damals jedoch definitiv geändert, da war er sich so ziemlich sicher. Nachdenklich betrachtete er die rhythmisch pendelnde Rute vor sich. Als er sie, Zita, Pilgrim und Catori das erste Mal getroffen hatte, war sie allerdings auch schon Anführerin der kleinen Truppe gewesen und hatte beteuert, dass es ihr nicht sonderlich viel Wert sei. Die Anzahl der Wölfe die ihr Folgten war größer geworden, doch konnte man dadurch davon ausgehen, dass auch ihre Bereitschaft zu der Verantwortung die sie nun trug sich ebenfalls vergrößert hatte? Ihre Gesten waren zwar dezent, jedoch gleichzeitig so ziemlich eindeutig gewesen. Niyol war sich sicher das niemandem die "Kleinigkeiten" in ihrer Haltung entgangen waren ~Außer vielleicht dem guten Pilgrim, wobei es ihn vermutlich sowieso nicht interessiert...~ Konnte er darauf vertrauen, dass das als feste Zusage gedacht war? ~Komm schon Niyol, du bist nun wirklich nicht in der Position dir Sorgen machen zu müssen!~ Mit einem genervten Schmunzeln über sich selbst schüttelte er den Kopf. Es war Zeit zu gehen. Doch er fühlte sich zerrissen. Zu lange war er nun mit diesen Wölfen gelaufen. Hatte sie in der Not ungewollt doch näher an sich herangelassen als geplant und war dabei, dem zum Opfer zu fallen, wovor er doch immer weggelaufen war. Verantwortung in einem Rudel würde seine Freiheit schmälern. Kein Mitglied könnte sich auf Dauer leisten, ständig zu versuchen andere auf zu ziehen. Und was sollte er sonst noch tun? Es gab nichts, wofür es sich lohnte seine größte Freude im Leben auf zu geben. Trotzdem zögerte er. Die Stille die er sonst zu vermeiden suchte trug die Anderen auf seltsame Weise näher an ihn heran, als jedes Wort. Hatte er jemals so viel geschwiegen, als er in Gegenwart derart vieler Wölfe war? Kein Geplappere das ihn vor ihrer Gesellschaft und seinen Gedanken und Sorgen um sie rettete. Erst jetzt fiel ihm überhaupt so richtig auf, warum er so viel redete und wieso ihm diese Stille so schrecklich vor kam. Gleichzeitig ließ jeder Schweigender Schritt seinen Mut, doch einfach zu sprechen weiter sinken. Still betrachtete er die anderen, überlegte zu viel, wer sie waren, was sie aus machten und warum er ihnen trotz so mancher seltsamer Einstellung allen wünschte, dass sie sich endlich wieder erholen konnten. Mal lief er neben dem einen, Mal neben dem anderen, immer versucht näher zu rücken und irgendetwas zu tun um sie zu ermutigen, doch am Ende erschreckte er sich mit dieser Idee des Beistandes jedes mal nur selbst und machte sich unverrichteter Dinge auf an eine andere Position. Er musste damit aufhören er wollte nicht dieser typische, kuschelige Rudelwolf sein, der ständig im Sinne der Gemeinschaft handelte. Anderen mochte das als Lebenssinn genügen. Ihm jedoch nicht, da war er sich sicher.

Mit Takatas Worten schien endlich ein ende seiner nervtötenden Gedankenwelt erreicht zu sein. Tatsächlich, scheinbar hatten sie nun ihr Ziel erreicht. Niyol wusste nicht recht, was er tun sollte. Seine stummen Diskussionen, ausgelöst durch die stille Gemeinschaft hatten ihn tatsächlich am meisten zugesetzt. Vermutlich sollte er sich demnächst erst einmal eine Zeit lang aus dem Staub machen um wieder normal zu werden...
Also sagte Niyol ausnahmsweise nicht und starrte nur mit unscharfem Blick auf die Zeiten des Neuanfangs.

(mit Takata, Skadi, Teyjen, Marrok, Zita, Catori, Pilgrim, Shiro und Lynx auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes )

"Der Wind wird dein Begleiter sein;
Und du wirst ihn vermissen, wenn völlige Ruhe herrscht."

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KuroShiro
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KuroShiro ist offline
13.08.2015 20:15

Shiro hatte sich irgendwo in sich selbst verloren.
Nachdem Skadi sie so offenkundig missverstanden hatte, hatte Shiro bloß unwirsch mit dem Kopf geschüttelt und von da an geschwiegen. Und mit jedem Schritt, den sie seitdem gemacht hatte, war sie von sich selbst weggetrieben. Anfangs hatte sie noch über das Verhalten der anderen nachgedacht und bewusst reflektiert. Dass Skadi sich wohl zum Oberhaupt dieser Gruppe aufgeschwungen hatte, dass selbst Niyol keine Energie mehr für blöde Späßchen zu haben schien, dass Takata still, aber gleichmäßig vor sich hin trabte.
Doch nach und nach hatte sie die Wölfe um sich herum ausgeblendet und sich auf sich selbst konzentriert. Was war mit ihr passiert?
Ja, die Zeiten waren hart gewesen - aber im Grunde ihres Seins war Shiro nie so abweisend gewesen, wie jetzt. Lag es an ihr, an den anderen? Einfach an der Chemie zwischen ihnen, die nicht stimmte?

Unbewusst hielt sie sich nah bei Lynx und Teyjen, auch wenn sie seit dem Wiedersehen kein Wort mehr mit ihnen gewechselt hatte. Sie wusste auch nicht, was sie sagen sollte. So hielt sie sich einfach stumm in der Nähe derer, die sie einschätzen konnte.

Dieser Winter hatte sie mürbe gemacht. Seit ihr Rudel zerbrochen war, seit sie ihre Freunde in verschiedene Richtungen hatte gehen sehen, ohne etwas dagegen tun zu können - und letztlich selbst die Flucht nach vorn gewagt hatte, war ihr das Zusammenleben mit anderen zusehends schwerer gefallen. Trotz allem war sie noch fähig, sich in ein Umfeld zu integrieren und mit anderen zu agieren. Und es schien, als hätte sie diese Fähigkeit verloren.
Aber warum?

Und je tiefer Shiro bohrte, desto mehr verlor sie sich in den Wirren ihrer Psyche. Sie folgte Gedankensträngen, hier hin und dort hin, und irgendwann schien es, als würde sie sich selbst neben sich sehen. Als wäre sie nur noch der Schatten des Ichs, das sie einstmals gewesen war. Und weil sie ein Schatten war, konnte sie nur stumm ihrem Körper folgen, der stur in eine Richtung strebte, die sie nicht kannte und die sie nicht interessierte.

Takatas Ausruf weckte etwas in ihr. Irgendwo.... tief unten.
Es war, als würde sie auftauchen aus einem tiefen, dunklen See.
Störche. Nun. Nicht unbedingt etwas besonderes.
Sie wollte wieder abtauchen in ihre stille Gedankenwelt, als ein Gedankenfunke erglomm.
Störche. Und der Schnee wich langsam. Das Ende des Winters. Und damit das Ende dieser Reise - und damit wiederum konnte sie die nächstbeste Gelegenheit nutzen, diese Gruppe zu verlassen. Auch wenn sie im Moment nicht wusste, ob das einen Unterschied machte. Sie hatte einen Weg gefunden, da zu sein und doch wieder nicht da zu sein. Die Meinung von Skadi oder Takata interessierte sie ohnehin nicht. Sicher, wenn man ihr sagen würde, sie sollte gehen, würde sie das tun und zwar kommentarlos.
Aber bis dahin sprach nicht unbedingt etwas dagegen, als körperlich anwesendes Individuum zu koexistieren. Ein bisschen wie Pilgrim.
Vielleicht nicht die schlechteste Wahl.
Vorerst.
Sie ahnte, dass sie irgendwann aus der Dunkelheit ihres Seins wieder auftauchen musste. Aber im Moment sah sie keinen Grund dazu.

[ bei Teyen, Lynx, Takata, Skadi, Marrok, Zita, Catori, Pilgrim, Niyol, am Rande der Storchenhalbinsel]



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Skadi
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Skadi ist offline
16.08.2015 19:48

Die Sandfarbene hätte hinterher nicht zu sagen vermocht, wie lange sie gewandert waren. Der Rest der Reise war erstaunlich still verlaufen, vermutlich weil jeder seinen eigenen Gedanken nachhing. Dagegen hatte sie nichts einzuwenden, zumal niemand ihren Rang innerhalb der Gruppe in Frage gestellt hatte. Ihren Rang. Ja, welchen Rang eigentlich? Obwohl niemand ein Wort darüber verloren hatte, hatte man sie wie selbstverständlich vorangehen lassen. Auch auf ihre deutlich selbstbewusstere Körperhaltung hatte niemand mit Widerstand oder auch nur gesteigerter Dominanz reagiert. Und die Sandfarbene hatte sich nur zu bereitwillig in diese neue Rolle gefügt, ja, hatte sogar von sich aus aktiv darauf hingearbeitet. Eine kleine, trotzige Stimme in ihrem Inneren versuchte ihr nach wie vor einzureden, dass sie es nur tat, weil niemand sonst für diese Rolle geschaffen war. Takata hatte sich daran versucht und war gescheitert, der Rest hatte von vornherein kein Interesse daran gezeigt, die Gruppe zu führen, oder sich im Gegenteil sogar zurückgehalten. In Wahrheit musste sie sich allerdings zunehmen eingestehen, dass sie es nicht nur deshalb tat, weil es in ihren Augen keinen geeigneteren Kandidaten gab oder weil sie zu stolz war, sich jemand anderem zu unterwerfen. Sie tat es auch, weil zumindest einige dieser Wölfe ihr inzwischen ehrlich am Herzen lagen. Weil sie das Beste wollte für Teyjen und Lynx. Weil sie alle sich eine Heimat verdient hatten.
Zunächst hatte sie noch versucht, sich keine allzu großen Hoffnungen zu machen, als der Schnee allmählich stellenweiße zu schmelzen begann und den Blick auf totes Gras freigab. Doch mit jedem Schritt wurden die Zeichen deutlicher, bis selbst der größte Pessimist es nicht mehr übersehen konnte. Und so wurde auch das Tempo, das sie anschlug, beinahe unmerklich schneller und der Gang trotz sämtlicher Erschöpfung eine Spur beschwingter – sie strebten dem Frühling entgegen.
Und dann, wie auf ein unsichtbares Zeichen hin, waren sie plötzlich angekommen. Takata bemerkte es als erste und ließ sich mit einem erleichterten Seufzer niederplumpsen. Die Sandfarbene folgte ihrem Blick und ließ ihn mit schwer deutbarem Gesichtsausdruck auf dem Storch ruhen. Beinahe hätte sie gelacht. Da saß dieser dämliche Vogel und klapperte mit seinem Schnabel, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Und jetzt sollten sie also endlich am Ziel sein? Einfach so? Und doch lag plötzliche eine Art freudige Erregung in der Luft, die sie so schon lange nicht mehr wahrgenommen hatte. Witternd sog sie die Luft ein und das angenehme Prickeln unter ihrem Fell ließ sie unruhig auf der Stelle treten. Es kribbelte förmlich in ihren Pfoten. Da war es wieder, dieses Gefühl, das sie beinahe schon verloren geglaubt hatte. Doch trotz allem waren sie immer noch Wölfe und waren ihre Instinkte und Triebe in letzter Zeit aufs nackte Überleben gerichtet, so wurden sie jetzt von anderen, viel banaleren Bedürfnissen abgelöst. Sie wollte jagen und sich endlich wieder den Bauch so richtig vollschlagen, wollte einen kleinen, kristallklaren Bach suchen und trinken, wollte sich an einem schönen Fleckchen im Gras wälzen. Ausgerechnet sie, die ewige Wanderin, wollte sich dieses Land Untertan machen. Mit einem auffordernden Wuffen tat sie den Anderen ihre Absicht kund, machte dann einen Satz nach vorn und wandte sich mit einladend pendelnder Rute wieder um.

„Sehen wir uns um“, schlug sie munter vor.

Dabei war es ihr einerlei, wer sie nun begleitete oder ob sie notfalls auch allein losziehen musste. Ausruhen konnte sie sich auch später noch, für den Moment musste sie sich bewegen und das Land erkunden, das vielleicht endlich ihre Heimat werden konnte.



[Rest]

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Marrok
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Marrok ist offline
18.08.2015 19:28

Wie lange sie auch liefen, die Landschaft blieb weiß, weiß, weiß - wohin das Auge auch sah. Eine solche Umgebung war es nicht wert, genauer in Augenschein genommen zu werden und während er in monotonem Schritt hinter Skadi her trabte, verlor er sich in der düsteren Stille, die über der Gruppe lag. Er dachte nichts, sah nichts und sprach auch nicht. Marrok ging weiter, teilte seine verbliebene Kraft in einen gleichmäßigen und selbstsicheren Schritt, der sich am Tempo seines Vorderen maß und nahm die Wölfe, wenn er denn neben einem herging, nur am Rande wahr.

Immer öfter fand er sich wenige Schritte hinter Skadi wieder, allerdings beanspruchte er diesen Platz nicht gerade verbissen; immer wieder ließ er sich zurückfallen, schritt an Zitas, vor allem aber an Pilgrims Seite und stützte den alten Wolf, wann immer er den Eindruck hatte, seine Kräfte würden wieder schwinden. Marrok hatte viel Zeit an der Seite eines Alphawolfes verbracht und nun, wo er sich wieder als Teil eines Rudels fühlte, drängte ihn sein Instinkt zurück an diesen Platz. Dennoch blickte er vermutlich mehr zurück als dass er nach vorne sah und vielleicht dauerte es auch deshalb so lange, bis er den Frühling bemerkte, der sie nach und nach mit offenen Armen begrüßte.

Es war Takata, die als Erste die Stille durchbrach und die Wölfe aus ihrem immergleichen Trab brachte. Ihre Stimme in Erleichterung getränkt, sprach sie vom Storchenland und veranlasste Marrok dazu, sich nach einer sehr langen Zeit wieder umzusehen. Beinahe glaubte er, im Traum zu wandeln, wo er die Welt oft in Farben sah, die in den letzten Monaten nicht existiert hatten. Dann tauchte seine Pfote spritzend in geschmolzenes Eiswasser und zum ersten Mal fühlte er das Gras, auf dem er lief. Seine Schritte wurden langsamer, während seine Augen sich umso aufmerksamer und unruhiger umsahen und all die Farben aufnahmen: Grün und Braun in den verschiedensten Tönen, Schwarz und vereinzelt auch die letzten Reste sterbendes Weiß. Die Sterne hatten sie in den Frühling geführt und ihnen das Leben geschenkt.

Schließlich war er zum Stillstand gekommen und schloss nun die Augen, ehe er tief einatmete, seine Lungen mit frischer Luft füllte und sie in einem stillen, befreienden Seufzer wieder freigab. Etwas, das ein Lächeln hätte sein können, umspielte für einen kurzen Moment seine Lefzen, doch als er die Augen wieder öffnete, war davon nichts mehr zu sehen.

Er warf einen kurzen, prüfenden Blick auf Zita und Pilgrim, vergewisserte sich, dass beide wohlauf waren - soweit das nach einer solch beschwerlichen Wanderung überhaupt möglich war - und trat anschließend mit einem zustimmenden Nicken an Skadi heran. Ihr Vorschlag erschien ihm mehr als vernünftig und er kam nicht umhin, eine gewisse Vorfreude zu verspüren. Auch er wollte dieses neue Land sehen, in das die Sterne sie geführt hatten und das sich ihnen nach beschwerlicher Reise so verheißungsvoll eröffnete. Wenn er jedoch während der Jahre, in denen er bereits unter dem Licht der Sterne wandelte, eines gelernt hatte, dann dass alles irgendwo einen Haken hatte. Dieses Land wirkte einladend, gerade deshalb konnten sie doch unmöglich die einzigen sein, die es hierher verschlagen hatte. Wer konnte schon ahnen, was sie als nächstes erwartete? Vielleicht war dieser süße Traum nur eine bösartige Sinnestäuschung und ehe sie wussten, wie ihnen geschah, standen sie wieder mitten in einer Wüste aus Eis und Schnee. Es war beinahe zu schön, um wahr zu sein ... und ein einziges Mal seit einer sehr langen Zeit, kehrte Marrok all seinen Bedenken den Rücken zu. Sie waren endlich angekommen, vor ihnen lag ein neuer Morgen, hoffnungsvoller als alle anderen davor und er wollte in dieser lang vermissten Wärme baden. Dieses eine Mal und mochte es nur für einen Tag sein, wollte er vergessen, was lauernd in seinem Schatten hockte und die warmen Sonnenstrahlen dieses neuen Morgens ohne Hintergedanken genießen.

[bei Takata, Skadi, Teyjen, Zita, Catori, Pilgrim, Shiro und Lynx auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes]

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Catori
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Catori ist offline
26.08.2015 18:51

Es war eine ruhige Wanderschaft, die sie nach der Wiedervereinigung angetreten hatten. Hier und da hin und wieder eine Unterhaltung. Doch nichts war -trotz des vorhandenen Steitpotenzials- ausgeufert und so waren sie größtenteils schweigend hinter- und nebeneinander her gelaufen. Genug Zeit in denen Catori sich einen Plan überlegen konnte, wie sie nun mit sich selbst um zu gehen hatte. Es gab keinen weiteren Zwischenfall in dem sich ihr Kopf verabschiedete, doch wenn sie nach der Erinnerungslücke in ihrem Kopf suchte, spürte sie, dass dort noch etwas war. Zusätzlich plagten sie neuerdings immer öfter Alpträume von denen sie nicht wusste, woher sie kamen. Zumeist konnte sie sich auch an keine genauen Gegebenheiten daraus erinnern, lediglich das ungute Gefühl blieb immer noch eine ganze Weile. Trotzdem versuchte sie, sich die fehlende Ruhe im Schlaf nicht anmerken zu lassen. Es gab genug Probleme, da musste sie nicht wegen ein paar Alpträumen herum jammern. Vielleicht verschwanden sie demnächst ja auch wieder...
Als nach und nach Veränderungen in der Umgebung auftraten, wusste Catori nicht recht ob sie in so manche Kleinigkeit nicht zu viel hinein interpretierte, doch irgendwann sollte wohl doch endlich der Tag eines Neuanfangs kommen und so stand sie nun Ungläubig vor dem Vogel, der die -solange erhoffte- neue Zeit anzukündigen schien. Nach der ersten Überraschung machte sie einen kleinen Satz nach vorne und musste unwillkürlich anfangen zu Lachen. Das Eis, der Schnee... der Winter schien endlich deutlich an Kraft zu verlieren. Fröhlich schaute sie erst mit wedelnder Rute zu Zita, bevor sie plötzlich eine Runde um Takata drehte. Leider musste sie danach schon wieder inne halten, weil der lange Marsch nicht viele Kraftreserven übergelassen hatte, doch das Gefühl der Befreiung dass sie endlich wieder durchflutete versprach, dass es wieder besser werden würde. Da sie sich nicht entscheiden konnte, zu welchem der Wölfe sie gehen sollte(vorallem wenn sie sich zwischen den Wölfen entscheiden musste, die offensichtlich Zwistigkeiten miteinander hatten, fiel es ihr noch immer schwer), entschied sich Catori spontan für den kleinen Teyjen der ihr damals so gut zugeredet hatte, als sie die Gruppe verließ. Noch immer mit pendelnder Rute ging sie die wenigen Schritte schwungvoll zu ihm.

"Ist es nicht wundervoll? Damals als du versucht hast mit mir zu reden, als ich euch im Eis verlassen habe hätte ich nie gedacht, dass wir irgendwann hier stehen würden."

Einfach weil es ihr damals so viel bedeutet hatte fügte sie noch hinzu:

"Ich habe mich noch nie so recht dafür bedankt. Auch weil ich unfreiwilliger Weise ganz aus der Gruppe verschwunden bin. Aber es hat mir wirklich etwas bedeutet und ich war ...nein ich bin wirklich froh, dass du mich nicht einfach so hast gehen lassen."

Wahrscheinlich überrumpelte sie den Kleinen (der eigentlich vom körperlichen nicht mehr wirklich klein war) indem sie plötzlich mit diesem Thema anfing, doch sie wollte sich so gerne bei irgendwem bedanken und da sie es bei ihm bisher immer versäumt hatte und zudem sowieso versuchen wollte, ihn vielleicht endlich einmal aus seinem Schneckenhaus zu ziehen, ging es eben grade nicht anders.
Als Skadi vorschlug fuhr Catoris Kopf in deren Richtung.

"Das klingt nach einer wundervollen Idee.", schnell drehte sie sich wieder dem Kleinen zu. "Bist du auch neugierig auf diesen Neuanfang?"

Lächelnd bat sie ihn mit einer Geste des Kopfes auch mit zu kommen, bevor sie zu Skadi trat. Auch Marrok wollte offenbar mit. Catori konnte sich allerdings auch nicht vorstellen, warum man hier bleiben wollte, wenn sich doch endlich Neues ankündigte. So schön war es an dem Punkt an dem sie nun angehalten hatten auch wieder nicht. Und Ansonsten hätten sie vermutlich eh noch keine Pause gemacht. Vermutlich würden sowieso alle losziehen wollen.

(mit Takata, Skadi, Teyjen, Marrok, Zita, Pilgrim, Shiro, Lynx und Niyol auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes )

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Zita
~Sternenseele~


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Zita ist offline
16.09.2015 20:05

Lange hatte Zita auf ihrer Reise geschwiegen und je länger sie nichts zu sagen hatte umsomehr kam es ihr in den wenigen bewussten, wachen Momenten so vor, als habe sie ihre Stimme ganz verloren.
Sie hatte erlebt was ihre Stimme, ihre Meinung, ihre Hoffnungen und Träume anrichten konnten und in den meisten Fällen hatte man sie falsch verstanden. Nein… So schnell würde Zita wohl nicht mehr sagen was sie bewegte oder was sie zu einem oder jenem Thema dachte. Zu sehr hatte man sie deswegen verletzt.

Stumm ging sie also weiter, im Gegensatz zum Rest der Truppe, wechselte sie nie ihre Position. Stets blieb sie an Pilgrim´s Seite, freute sich, wenn Marrok das Gleiche tat, hatte Sorge und Angst, wenn er woanders hintrabte, versuchte die Enge in ihrer Brust zu ignorieren wenn Takata mit Catori an ihr vorbeikam oder reagierte ganz gleichgültig.

Gedanken, soviele Gedanken wirbelten ihr durch den Kopf und nur am Rande nahm sie die Veränderung der Natur um sich herum wahr. Wozu auch? Schon zu oft hatte sie gedacht und gehofft, nur um am Ende doch wieder brutal auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden. Abgestumpft…
Anfangs hatte sie noch Sorge gehabt, dass Pilgrim diesen Machtmarsch auch nur einen Tag überleben würde, doch der Rüde hielt sich erstaunlich gut. Natürlich lief oder trabte er nie ganz vorne mit, doch die Eigendynamik der Gruppe sorgte dafür, dass Zita und er nie ganz zurückfielen oder das gar eine Lücke entstand die es wieder aufzuholen galt.

Zita wusste nicht was Pilgrim dachte, wusste eigentlich so wenig über ihn und doch fragte sie sich was ihn noch weitermachen ließ.

Erst als der herbe Geruch von frischem Grün ihr in die Nase stieg, blieb sie stehen und sah sich um. Sie blinzelte um die blendende Sonne zu umgehen und reagierte eher geschockt als froh, als sie sah, wie sehr man sich über das schwarz-weiße Federviech freute. Im ersten Moment war Zita ganz pragmatisch und ihr Hunger siegte, dann kam ihr Geist und verfluchte den Vogel. Zornig verengten sich ihre einst so hellen Augen zu schmalen Schlitzen. Wegen dieses Vogels, wegen einer Idee, einer Ahnung, waren sie damals losgezogen… Sie verfluchte den Storch und all seine Artgenossen, sie verfluchte Takata und die Idee der sie alle gefolgt waren. Soviele waren auf der Strecke geblieben…

Die Fähe kämpfte gegen den Schreck, als Marrok sich dazu bereit erklärte, Skadi bei einer Erkundungstour zu begleiten. Ihr Herz zog sich zusammen und auch wenn sie sich genau das für Marrok gewünscht hatte, ein Rudel wo er wieder zuhause sein konnte, so tat es nun irgendwie weh, ihn so selbstständig handeln zu sehen.

Sie schüttelte traurig den Kopf und sah zu Pilgrim herüber. Was auch immer… Sie würde bei Pilgrim bleiben…


(Zita ist bei Marrok, Pilgrim, Takata, Skadi, Teyjen, Catori, Shiro und Lynx auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes)

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Pilgrim
~ Out of the Dark, into the Light ~


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Rüde
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Pilgrim ist offline
16.09.2015 20:07

Der Alte Rüde hatte mit seinen Kopf erhoben, seine Augen wirkten trüb im Licht des Sonnenstrahles und er schien den Storch zu mustern.

Lange waren sie gewandert und plötzlich fragte sich Pilgrim wo der ganze Schnee abgeblieben war. Er wuffte leise und der Storch spannte die Flügel, wie um zu beweisen, dass er jeden Moment fliehen konnte.

Pilgrim legte den Kopf schief und begann zu hecheln. Seine Läufe schmerzten und ohnehin schien der ganze Wolf zu wackeln doch das bekam Pilgrim wohl nicht mit.

„Fliegender Bote!“

Brabbelt er wirr und tappte ein paar wackelige Schritte auf Marrok und Skadi zu.

„Mausewolf!“

Fiepte er aufgeregt und begann wieder Marrok sanft im Nackenfell zu zausen.


(Pilgrim ist bei Marrok, Zita, Takata, Skadi, Teyjen, Catori, Shiro und Lynx auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes)

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Teyjen
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Teyjen ist offline
25.09.2015 13:27

Da gingen sie nun. Trapp. Trapp. Trapp. Ein eintöniger Klang in einer eintönigen Landschaft. Wie viele wollten sie nun wohl sein? Teyjen hatte nicht gezählt, dabei hätte er es auch gar nicht wissen wollen. Es waren auf jeden Fall zu viele, um sich noch ansatzweise wohlzufühlen. Wenn er daran dachte, dass er irgendwann mit ihnen würde reden müssen, dass sie ihn irgendwann in Gespräche verwickeln würden, wurde ihm übel. Diesmal würde niemand kommen und ihn retten. Diesmal war er alleine.

Sie waren nur ein Haufen Wölfe, weit entfernt davon ein Rudel zu werden. Es kam ihm vor, als würden sie nicht alle derselben Truppe angehören, sondern jedes Grüppchen, jeder Wolf war für sich. Teyjen selbst hielt sich an seinen weißen Freund und versuchte, nicht allzu viel nachzudenken. Als sie das letzte Mal so vor sich hin getrottet waren, hatte er noch Kyevjen an seiner Seite gehabt. Wie viel sich geändert hatte. Auch zwischen den anderen.

Catoris freudiger Ausbruch ließ ihn aufschauen. Ein Storch? Ja, da saß er, der Storch. Seltsam sah er aus. Teyjen dachte nach und fragte sich, ob er schon einmal einen Storch gesehen hatte, früher einmal. Singvögel kannte er zur Genüge, zwar nicht beim Namen, doch wenigstens kannte er sie mit den Augen. Aber dieser war anders. Schlank und groß. Nicht ganz so, wie Teyjen ihn sich vorgestellt hatte, aber auch nicht ganz so verschieden. Aber diese große Gestalt stellte doch keine Gefahr für Wölfe dar? Oder waren ihre Schnäbel gefährlich? Hatte daran schon mal jemand gedacht? Ein wenig verängstigt versuchte er, Lynx Blick aufzufangen. Solange Lynx sich nicht fürchtete, hatte der Jungwolf selbst auch keinen Grund dazu. Immerhin kannte Lynx die Störche.
Mit starrem Blick beäugte er wieder den Vogel, während er wartete, was nun geschehen würde. Ganz tief drinnen spürte er, wie sich ein Klumpen zu lösen begann, der ihm schon die ganze Zeit im Magen lag. Langsam sickerte die Erkenntnis in sein Bewusstsein durch, dass sie angekommen waren. Das war die ganze Zeit ihr Ziel gewesen. Sie hatten es geschafft. Das könnte ihr neues Daheim werden, hier sollte alles neu beginnen.
Und wenn er das zu grünenbeginnende Land um sich betrachtete, musste er einsehen, dass Takata immer schon Recht gehabt hatte. Die Störche hatten tatsächlich einen Weg aus der Eiswüste gefunden und sie alle in Sicherheit geführt. Er hatte der weißen Fähe Unrecht getan, doch das sollte sie nicht wissen.

Eine Woge der Erleichterung überkam ihn. Sein Bruder hatte also doch eine Chance. Kyevjen war klug genug, auch alleine der Spur der Vögel zu folgen, er würde also ebenfalls hierherfinden! Ein Ruck der Vorfreude ging durch seinen Körper. Die leise Hoffnung, die den Jungen so oft verlassen wollte, kehrte wieder in seine Brust zurück.
Daraufhin fand eine alte Freundin zu Teyjen zurück. Der Anblick von Catoris Gesicht ließ ihn lächeln. Die Worte sprudelten aus ihrem Maul, der Junge war ganz verdattert von ihrer Gegenwart. Dabei war ihre Anwesenheit erfreulich, sie schenkte dem Kleinen ein Stück Vertrautheit. Ja, Catori hatte er gemocht.
Es schmeichelte ihn, was sie ihm sagte, aber als sie sich auch noch bedanken wollte, spürte er seine Schnauze rotanlaufen. Was hatte er schon Großartiges getan? Sein dummes Gerede war doch keines Dankes wert! Bei Gott, er erinnerte sich, die Anspannung damals war unermesslich gewesen, doch trotzdem hatte er sie liebgewonnen, diese grau-braune Fähe. Catori. Ja, dieser Name war ihm geblieben. Catori.
Vielleicht würde dieser Neubeginn wirklich etwas Gutes bedeuten. Zum ersten Mal verschwand die Enge in Teyjens Herzen. Das hier war sein neues Leben. Hier würde er schaffen, was er noch nie geschafft hatte. Hier würde er nicht mehr nur der kleine Bruder sein, sondern mehr als das. Hier würde Teyjen endlich Teyjen sein.
Ob er mitkommen würde? Sein neues Zuhause erkunden? Eigentlich war er müde, unendlich müde, um ehrlich zu sein. Aber er konnte sich nicht wehren. Die aufkommende, freudige Stimmung war ansteckend, Teyjen konnte sich ihr nicht entziehen.

Mit einem schmalen Lächeln um die Lefzen schaute er auch Lynx einladend ein, denn er wollte gemeinsam mit seiner kleinen Familie zuhause ankommen, der Weiße musste also mit. Leicht stupste er ihn mit der Nasenspitze an, damit er sich schneller entschied.
Ja. Teyjen wollte mitkommen. Er wollte nachhause kommen. Er wollte seinen Bruder finden. Vielleicht war auch Kyevjen endlich nachhause gekommen…

(bei Lynx, Catori, Skadi, Takata, Zita, Pilgrim, Marrok, Niyol und Shiro auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes)

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Takata
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Takata ist offline
26.09.2015 20:16

Ein wenig vergaß sie in diesem Moment alles um sich herum. Sie fühlte sich angekommen, das bedeutete auch mental angekommen. Der ewige Druck, der auf ihr gelegen hatte, dieser kleine fiese Gedanke, sie könnten es nicht schaffen und würden am Ende alle versagen, im kalten Schnee zugrunde gehen, er war weg. Es war, wie wenn eine schmerzhafte Wunde oder ein Schmerz, der im Innern festgesessen hatte, verloren war. Und es fühlte sich gut an. Sie konnte wieder frei atmen und sich einem ehrlichen Lächeln hingeben, das nicht mehr von Sorgenfalten übertrumpft wurde. Das Einzige, was sie jetzt noch in sich spürte, war das Gefühl von Hunger. Es mochten einige Momente vergangen sein, seitdem sie hier angehalten hatten, da wurde sich die Weiße immer sicherer, dass ihr Magen etwas Nahrung brauchte. Der lange Weg hier her hatte Kraft gekostet. Wie lange schon nicht mehr waren sie auf einer ganz gewöhnlichen Jagd gewesen, wie es für ihre Art üblich war? Bis eben waren sie selbst Gejagte gewesen. Gejagte des Schicksals, der Ereignisse, stets auf der Flucht vor noch mehr Unheil. Das war einmal. Jetzt endlich hatten sie die Chance wieder ein Leben zu führen, alltäglichen Dingen nachzugehen und Wölfe zu sein. Ihre neue Heimat, die augenscheinlich nicht durch andere Wölfe besetzt war, weil sich bis hier keine Markierungen gefunden hatten, war ein Ort, der das Potential hatte, schön zu sein. Die andauernde Enge, die sich um ihr Herz geschnürt hatte, hatte losgelassen. Aus einem schmalen Tunnel mit dem entfernten Licht am Ende war wieder eine helle Landschaft geworden, die ein nicht länger nur nach vorn zwang. Noch einmal holte sie tief Luft und spürte dabei das sichere Gefühl, Hunger zu haben. Die Weiße erhob sich und sah zurück auf ihre Begleiter. Sie legte ein Ohr skeptisch an und fragte sich, ob sie jemanden für die Idee einer Jagd begeistern konnte. Allein sank die Chance auf eine erfolgreiche Jagd, zumindest wenn es doch etwas mehr als ein Waschbär sein sollte. Und obgleich sie sicher war, dass sich der Hunger nicht nur in ihren Magen geschlichen hatte, sondern noch weitere Wölfe dieser Gruppe plagen musste, so war sie doch nicht sicher, wer sie auf der Beutehatz begleiten würde. Auch wenn sie sich bereits vorstellen konnte, wer wohl grundsätzlich lieber verhungern würde als mit ihr auf die Jagd zu gehen, so richtete sie ihr Anliegen doch an alle, um niemanden von der Möglichkeit auszuschließen.

„Verspürt ihr nicht auch einen unangenehmen Hunger? Lasst uns schauen, ob dieser Ort Beute für uns bietet. Wer kommt mit?“

Takata schlug ein, zweimal mit der Rute. Sie war so voller Vorfreude und erhoffte sie nach langer Zeit einmal wieder ein richtiges Reh oder einen Hirsch, den sie zur Strecke bringen konnten. Alles was sie mussten war, sich noch einmal zusammenraufen und losmarschieren. Je mehr Wölfe mitkamen, desto größer war ihre Chance. Da sie es selbst kaum mehr erwarten konnte in der neuen Heimat nach saftiger Beute Ausschau zu halten, lief sie bereits ein paar Schritte voran, bevor sie noch einmal innehielt und einen aufmunternden, erwartungsvollen Blick auf die Gruppe zurückwarf. In diesem Moment war ihr jeder als Jagdbegleiter recht. Denn den Hunger würden sie wohl alle teilen.


(mit Skadi, Teyjen, Marrok, Zita, Catori, Niyol, Pilgrim, Shiro und Lynx auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes)



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Niyol ist offline
10.10.2015 00:53

Die anderen blieben ebenfalls größtenteils eher still. Jedoch fanden sich recht schnell ein paar Gefolgsleute für Skadi die mit auf Erkundungstour gehen wollten. Als Takata einen Jagdversuch vorschlug nickte Niyol automatisch fragte sich jedoch insgeheim, ob man das nicht automatisch auch mit der Erkundungstour verbinden konnte, da sie das Gelände ohnehin nicht kannten und ebenso wie die andere Gruppe erst mal schauen mussten, wie die Umgebung war und ob in diesem Zusammenhang irgendwo Beute zu finden war.Da er allerdings befürchtete unnötige Diskussionen oder gar einen neuen Streit zu entfachen, nahm er einfach die Rudelteilung an, hielt jedoch schnell nach weiterer Jagdunterstützung Ausschau. Pilgrim wäre wohl nicht sehr hilfreich und wie gewohnt würde Zita wohl bei ihm bleiben um auf ihn auf zu passen. Catori war bereits offensichtlich zu Skadi getreten und hatte Teyjen angesprochen, die wiederum Lynx auffordernd anblickte. Shiro war bisher eher als zertrennendes Gruppenmitglied aufgefallen und fiel deswegen aus Niyols Sicht bereits aus der Auswahl heraus. Natürlich musste es nicht sein, dass sie sich in große Gefahren begaben doch allein für den Fall wollte Niyol die Querschlägerin lieber nicht fragen. Blieb auf ersten Blick nur Marrok, wenn man ihn von Zita abwerben konnte. Und vielleicht doch noch Lynx, wenn Niyol es schaffte einer offenen endgültigen Entscheidung des Weißen zuvor zu kommen?
Ohne weiter lange nach zu denken trat er also schnell nickend zu Takata, bevor er sich zu den beiden ausgewählten Rüden drehte.

"Eine gute Idee. Etwas zu Essen wäre tatsächlich eine ziemlich angenehme Sache. Marrok, magst du vielleicht auch mitkommen? Und Lynx? Du vielleicht auch? Wenn wir nicht ganz so wenige sind, haben wir doch hoffentlich gute Aussichten, dass wir erfolgreich an diesen Treffpunkt zurück kommen."

Freundlich lächelte er die beiden an und wedelte auffordernd mit der Rute. Sollten die beiden zustimmen, würde es eine äußerst interessante Jagdrunde werden. Mit allen drei Wölfen hatte Niyol bisher eher wenig interagiert, vor allem da zumindest Marrok und Lynx ihm bisher irgendwie sehr in ihre Ursprungsgruppen integriert schienen. Eine Jagd würde eine gute Gelegenheit bieten, alle einmal etwas besser kennen zu lernen, als es bisher der Fall war.

(mit Takata, Skadi, Teyjen, Marrok, Zita, Catori, Pilgrim, Shiro und Lynx auf der Storchenhalbinsel am Rande des Beerenwaldes )

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Skadi ist offline
14.10.2015 11:17

Das Ganze vollzog sich zur Abwechslung erfrischend unkompliziert. Wie von selbst bildeten sich zwei Grüppchen, von denen eines das neue Revier erkunden und das andere gezielt auf die Jagd gehen wollte. Zufrieden nickte sie Takata zu. Sie begrüßte es, dass die Weiße endlich auch wieder selbst aktiv wurde. Zugegeben, er herrschte natürlich auch jetzt noch längst nicht eitel Sonnenschein innerhalb des Rudels. Die üblichen Miesepeter schienen selbst jetzt nicht auftauen zu wollen, wenn man nach den eher sauertöpfischen Mienen urteilte. Allerdings sonderten sie sich auch nicht ab, was man durchaus als Fortschritt werten konnte. Ja, selbst von Shiro kam in diesem Moment kein zynischer Kommentar – noch nicht zumindest. Vielleicht spürte auch sie instinktiv, dass sie hier einen Neuanfang wagen konnten. Oder aber sie plante bereits ihren Aufbruch. So oder so, beides sollte ihre Laune eigentlich verbessern. Innerlich mit den Schultern zuckend wandte sie sich ab. Darüber wollte sie sich jetzt keine Gedanken machen.

Mit einem knappen, aber freundlichen “Viel Erfolg“ verabschiedete sie sich von den Jägern.

Die Sandfarbene schlug einen eher gemäßigten Trab an, nur um nach ein paar Wolfslängen inne zu halten und wieder zurückzublicken.

„Also los, stecken wir unser neues Revier ab!“, wuffte sie ihrem Trupp auffordernd zu.

Das neue Revier. Wie das schon klang. Ungewohnt vor allem und nach all den Strapazen einfach nur seltsam, gleichzeitig aber auch irgendwie richtig. Das hier könnte schließlich ihre neue Heimat werden. Vielleicht. Mit ein bisschen Glück. Und inzwischen konnte auch Skadi nicht mehr leugnen, dass der Gedanke ihr zunehmend gefiel. Hatte sie ursprünglich noch vorgehabt, ihre Schützlinge sicher ans Ziel zu bringen und dann weiterzuziehen, so hatte dieser Plan einem neuen, riskanteren, aber auch irgendwie lohnenswerteren Platz gemacht. Teyjen, Lynx und selbst die Anderen – sie hatten gemeinsam so viel durchgestanden, so viel ertragen müssen. Irgendwie gehörten sie jetzt zusammen. Zumindest so lange, bis ihnen das ganze, mühsam aufgebaute Kartenhaus um die Ohren fliegen würde.

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Takata
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Takata ist offline
27.10.2015 14:31

Für Niyol, Takata und später Marrok-




Sie hatte sich etwas zu weit von der Herde entfernt. Aber anders als die anderen wusste sie, wo es auch in dieser kargen Landschaft schon ein paar Knospen zu holen gab, die einen saftig frischen Geschmack auf der Zunge bilden würden. Der Frühling hielt langsam Einkehr und schenkte ihnen das Leben zurück. Die Zeit des Hungers war bald vorbei. Doch trotz, dass sie geschwächt war, wusste sie, wie man überlebte. Sie kannte die kleinen Verstecke der Natur, in denen sich Frühblüher und Früchte des lang zurückliegenden Herbstes verborgen hielten. Also wagte sie sich immer weiter von ihrer Herde fort und ließ sich die ersten Blumen der neuen Jahreszeit ganz allein schmecken. Der Blickkontakt zu den anderen riss bald ab, doch wittern konnte sie sie noch, denn ihr Geruch zog in ihre Richtung. Ihre fragilen Beine stolzierten langsam und leise über die dünne Schneedecke, die hier noch lag. Gekonnt schob sie das weiße Kalt beiseite und arbeitete die frühen Pflänzchen frei. Sie wusste, dass es gefährlich war so allein. Doch die Abwesenheit ihrer Feinde hatte ihnen Mut gemacht. Bären gab es hier nicht mehr, Wölfe waren mehr als rar geworden. Selten hatten sie mal einen einsamen Männlichen herumstreifen sehen. Doch er allein war nie im Stande gewesen ihre ganze Herde anzugreifen. Ein wahrer Trottel musste er gewesen sein, der er sich als Räuber nicht hatte entscheiden können, welchem von ihnen er zuerst hatte nachjagen sollen. Das Pech des Einzelnen. Bestimmt lag er mittlerweile als schimmerndes Skelett in den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings. Mahlzeit. Sie musste es nicht kümmern, denn ihr Nahrungserwerb war gesichert. Gierig schlang sie das zarte Grün herunter.Hatte sie den Kopf anfangs noch hin und wieder angehoben, um nach etwaigen Feinden Ausschau zu halten, so gab sie sich inzwischen vollkommen der Gelassenheit hin und verzehrte die Sprösslinge ganz allein. Ein willkommenes Mahl abseits der Herde.

Die Fähe hielt inne. Sie reckte die schwarze Nase und sog den Duft viel versprechender Beutetiere ein. Es war der unverkennbare Duft von Rotwild. Sie genoss es wie die ersten Sonnenstrahlen des beginnenden Frühlings. Oh wie dieses Fleckchen Natur sie verwöhnte. Es war ein Segen, dass sie diesen Ort gefunden hatten. Er bot ihnen scheinbar alles, was sie benötigten und zum ersten Mal seit der Reise verspürte sie ein inneres Gefühl der Gelassenheit. Sie konnte all das zurücklassen, was ihr vorher so schwer auf der Seele gelegen hatte und einfach einmal vergessen. Es war nicht leicht gewesen, doch nun hatten sie es sich verdient, verwöhnt zu werden. Sie nahm die Geschenke der Natur an, denn sie hatten eine harte Probe bestanden. Sie hatten die Widrigkeiten der Natur überlebt und erhielten scheinbar nun einen Lohn dafür, dass sie noch am Leben waren. Takata schlich langsam vorwärts. Bevor sie der möglichen Beute, zu der sie noch keinen Sichtkontakt hatte, zu nahe kam, wollte sie ihr weiteres Vorgehen doch mit dem Grauen abklären, der ein Stück hinter ihr lief. Ob er in Gedanken abgeschweift war? Ihr kam es öfter so vor bei Niyol. Doch sie schätzte diesen lockeren Geist. Er besaß kein temperamentvolles Gemüt, ließ sich stattdessen wohl nie aus der Ruhe bringen. Hatte sie damals recht mitbekommen und er hatte eine Unterhaltung mit Tihar geführt? Worum war es dabei gegangen? Nein. Sie musste aufhören damit. Tihar war Teil ihrer Vergangenheit. Sie musste es hinter sich lassen, sonst kam sie nicht zur Ruhe. Wenn sie ihn danach fragte, riss sie womöglich alte Wunden wieder auf. Sie durfte das nicht tun. Die Weiße entschied, sich von nun an voll und ganz auf die Jagd zu konzentrieren.

„Niyol?“, meinte sie mit leiser Stimme und sah sich zu ihm um. „Ich glaube, ich hab was.”

Sie ahnte, dass es sich bei dem Beutegeruch um mehrere Tiere handelte, um eine ganze Herde womöglich. Sollten sie es dennoch wagen? Gewiss standen ihnen zu Zweit nicht die Chancen offen, die sie alle zusammen gehabt hätten. Doch sie mussten das Beste daraus machen und versuchen, eine vielversprechende Beute zur Strecke zu bringen.

„Witterst du das auch? Das müssen Rehe sein.” Sie sah ihn leicht von unten herauf an und versuchte seine Laune abzuschätzen. Ob es gerechtfertigt war, den ersten Vorstoß zu tun und Rollen bei dieser Jagd zu verteilen? Sie wollte sich nicht als Jagdleiterin aufdrängen, doch die Weiße bildete sich ein, sie hatte eine gute Idee.
„Wenn ich nicht falsch liege, so befindet sich unweit von hier ein See. Wir waren schon einmal hier ganz in der Nähe, erinnerst du dich? Als wir diesen Ort betraten ... Wir könnten versuchen die Rehe auf den See zu treiben. Sicher ist er noch gefroren. Dort sind sie eine leichte Beute für uns.”

Die Wölfin gab sich alle Mühe nicht zu laut zu sein. Ihr Ohrenanklappen sollte signalisieren, dass sie die Jagdführung nicht für sich beanspruchen wollte. Hatte der Rüde eine bessere Idee, so war sie bereit sich darauf einzulassen. Sie legte ein inneres Vertrauen in den Wolf, spätestens nachdem, was Catori über ihn zu berichten wusste.

(Niyol | Am Ende des Beerenwaldes, nahe dem Moor und dem Kristallsee)



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KuroShiro ist offline
02.11.2015 19:37

Die Gruppe teilte sich. Mäßig interessiert schaute Shiro dabei zu, bis ihr aufging, dass man wohl von ihr erwartet, sich der einen oder anderen Wolfsansammlung anzuschließen. Sie grinste ein wenig dümmlich in sich hinein. Skadi oder Takata. Pest oder Cholera, hätte man Shiro ebenso gut fragen können.

Zu Takata hatten sich Marrok und Niyol gesellt, während Teyjen sich wenig überraschend an Skadi hielt. Pilgrim blieb erst einmal sitzen, und Zita blieb natürlich an seiner Seite. Nur Lynx schien noch mit sich zu ringen. Wenig enthusiastisch tapperte Shiro daher zu Zita - Skadis Gruppe schien ihr im Moment das kleinere Übel. Der Sandfarbenen rechnete Shiro im großen und Ganzen mehr Verstand zu als Takata, außerdem war sie so vor dem Plappermaul Niyol sicher. Er schien zwar das Interesse daran verloren zu haben, andere - und sie im Besonderen - mit seinen geistigen Ergüssen zu beglücken, aber sie musste das Glück... oder was auch immer es war, was ihr zumindest ein wenig Ruhe bescherte, ja nicht unbedingt herausfordern.

Außerdem erforderte eine Jagd geschärfte Sinne und einen wachen Körper. Und beides hatte Shiro, zumindest im Moment, nun wirklich nicht. Am Liebsten wäre sie einfach sitzen geblieben. Oder noch besser, sie wollte sich hinlegen. Liegen und schlafen. Nicht denken und nicht fühlen - falls sie dazu überhaupt noch in der Lage war, in ihr war nicht mehr viel außer Leere und jeder Menge Enttäuschung und Frustration.
Hunger? Hatte sie denn welchen? Sie wusste es nicht so genau. Andererseits, wenn sie es nicht genau wusste, schien der Wunsch nach etwas zu Fressen wohl nicht so relevant zu sein. Mit einem Schulterzucken schob sie diese müßige Überlegung daher zur Seite.

Lustlos schlurfte sie hinter Skadis Anhang her. Sie gab sich gar nicht erst Mühe, sich dem Schritt anzupassen. Neues Revier abstecken... in ihr lachte irgendetwas, aber es drang nicht an die Oberfläche. Shiros Gesicht war zu einer Maske aus Stein geworden, Gefühlsregungen - die paar wenigen, zu denen sie noch im Stande war, drangen nicht nach außen. Das war ihr nur Recht. Skadi brauchte ja gar nicht zu wissen, wie absurd Shiro das Ganze fand. Am Ende hätte es der selbsternannten Alphafähe von einem Haufen, der nicht zusamen passte und nicht zusammen sein wollte doch bloß wieder einen Grund für Gezeter gegeben. Shiro war nicht danach. Es war ihr zwar egal, was Skadi von ihr dachte, aber sie hatte keine Lust auf ihre nörgelnde Stimme.

Die Umgebung um sie herum nahm sie kaum wahr. Ihre Sinne waren so überreizt und müde, das jeder neue Impuls einfach ausgeblendet wurde, und dabei hätte es genug davon gegeben. Frisches Gras, andere Luft, Lebewesen, die vor ihnen hier gewesen waren. Vögel, die in den Zweigen der Bäume rumorten, unter denen sie hindurchliefen. Das Gefühl von Waldboden unter den Pfoten... nichts davon drang bis in Shiros Bewusstsein durch.

[bei Skadi, Teyjen, Zita, Catori und Pilgrim, am Rande des Beerenwaldes]



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Niyol ist offline
13.11.2015 19:33

Mit für seine erschöpften Verhältnisse doch recht euphorischen Schritt trabte der Rüde, die Rute locker pendelnd an der Seite seiner heutigen Jagdgenossin. Nach der langen Zeit war die Situation irgendwie ungewohnt und zutiefst vertraut zugleich. Niyol konnte sich nicht recht entscheiden wie er es sehen wollte, dachte aber auch nur am Rande darüber nach, denn sein Hauptaugenmerk lag darin, etwas brauchbares zu finden, damit ihre Jagd auch erfolgreich war. Takata lief zwar mittlerweile vor ihm, doch vorsichtshalber kontrollierte er dennoch selbst, ob er nicht etwas fand. Wer wusste schon wie gut die Weiße als Jägerin war?
Immerhin fand er jedoch nichts Aufmerksamkeitserregendes, bevor sie nicht auch stehengeblieben war und mit Worten an ihn wandte. Das war doch schon mal ein gutes Zeichen. Zufrieden lächelnd hörte er ihr zu und nickte an entsprechender Stelle. Ihre Idee gefiel ihm. Mit ein bisschen Glück konnten sie so vielleicht wirklich Beute machen. Selbst wenn der See nicht gefroren war, eine bessere Möglichkeit hatten sie ohnehin nicht. Vorher jedoch konnte er sich nicht verkneifen etwas zu ihrer Art und Weise zu äußern, mit welcher sie ihre Gedanken vortrug.

"Die Idee ist gut, aber du musst dich nicht halb dafür entschuldigen sie aus zu sprechen. Mag sein, dass ihr unter euch sonst ein paar Autoritätsprobleme habt, aber solange man mir nicht zu kräftig an der Rute zieht, fühle ich mich nicht gleich in meiner Person zu gering geschätzt."

Zwinkernd kicherte er kurz, und bedeutete ihr dann mit dem Kopf, dass sie ruhig vorgehen sollte.

"Deine Idee, also darfst du auch vorgehen. Ich werde hinter dir sein."

~...zumindest solange das Jagdtechnisch sinnvoll ist.~ fügte er in Gedanken hinzu. Da es allerdings ohnehin auch zum Teil metaphorisch gemeint war, sparte er es sich, diesen Satz hinzu zu fügen. Er hatte kein Problem damit ihr die Führung zu überlassen, mühte sich jedoch nicht wie sie mit einer zum Teil unterwürfigen Haltung ab. Jeder hatte seine Aufgaben und Stärken. Das war nun eben ihre Jagd und er war der Begleiter. Aber die Situation würde nicht ewig währen. Da er nicht an eine feste Rudelordnung gebunden war, da es bis jetzt ohnehin noch keine gab und er weiterhin mit dem Gedanken spielte wieder zu gehen, würde er sich nicht zu viel um all das scheren. Sollten die Fähen doch ihre Kämpfe austragen. Für ihn war das nicht notwendig. ...Noch nicht.

(Takata | Am Ende des Beerenwaldes, nahe dem Moor und dem Kristallsee)

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Takata ist offline
16.11.2015 22:59

Der verlockende Duft von Beutewild ließ sie daran denken, wie hungirg sie mittlerweile war. Sie konnte sich gar nicht mehr erinnern, wann sie das letzte Mal eine ganz gewöhnliche Jagd durchgeführt hatte. Das Leben in einem Rudel und die dazugehörige Jagd waren einmal etwas so Gewöhnliches gewesen, dass sie nie einen Gedanken daran verschwendet hatte, dass es auch einmal anders sein könnte. Erst nun, nachdem ihr Alltag wieder die Chance auf ein Stück Normalität hatte, da wagte sie zurückzublicken und einmal in Betracht zu ziehen, dass all das auch anders hätte ausgehen können. Und sie war inzwischen dankbar dafür, dass sie es wieder erleben dufte ... das „normale Wolfsleben”. Schon damals, als das Feuer auf sie zuzukommen gedroht hatte, da hatte sie beinahe mit ihrem Sein abgeschlossen. Später, als sie Tihar in die Eiswüste gefolgt war und als sie vom Bären angegriffen wurden, war der zweite Moment gewesen, der ihr die spürbare Kälte des Todes nähergebracht hatte. Und doch hatte sie überlebt.
Sie sah Niyol nicht direkt an, nur leicht aus dem Augenwinkel, aber dennoch versetzte sie seine Äußerung in Erstaunen. Es stieß ihr regelrecht auf, wie er auftrat und sie geradezu wie einen jungen Welpen behandelte. Am liebsten hätte sie sich die Ohren zugehalten. Doch noch bevor er mit seiner Belehrung fertig war, war es auch schon geschehen. Und sie ahnte, dass ihr entsetzter Blick sie sofort verriet. Es war ihr geradezu peinlich, wie er das äußerte. Sie, entschuldigen? Vor ihm? Autoritätsprobleme? Ihm ... an seiner Rute ziehen? Rasch wandte sie den Blick ab und tat, als hatte sie es nicht gehört. Sie musste an das denken, was Catori ihr über ihn versichert hatte. Aber es beruhigte sie in diesem Moment in keiner Weise. Niyol war auch nicht ganz normal, auch wenn er das bestimmt nicht so sah. Sie vermochte nur nicht zu beurteilen, ob er nur zu dem geworden war, wer er nun war oder ob es schon vor der Reise so um ihn gestanden hatte. Schlussendlich redete sie ihrem Innersten ein, dass er als starker Jagdbegleiter sicher irgendwie zu gebrauchen war, auch wenn sie ihm nun nicht unbedingt ihr Herz ausschütteln wollte ...
Die Weiße arbeitete sich leise voran. Erneut schnappte sie die Witterung der potentiellen Beute auf. Nicht weit von ihr musste einer sein ...

„Teilen wir uns auf ...”, meinte sie leise und ohne noch einen Blick zurück zu wagen.

Es brauchte auch nicht mehr lang' und sie konnte das Rotbraun durch die letzten Tannenzweige hindurchschimmern sehen. Es war die äußerste Grenze des Waldes, der noch ein paar letzte Bäume als Deckung bot. Aber sie würden sie aufgeben müssen, um die verlorene Beute zu umkreisen. Also ging Takata nach rechts herum. Ein letzter Blick ihrerseits in Richtung Niyol sollte ihm signalisieren, dass er von der anderen Seite her kommen sollte. Hoffentlich stellte er es richtig an und unterließ es einmal, den Spaßvogel zu spielen ... denn davon wurden sie am Ende nicht satt. Von dem Moment an, als Takata die junge Ricke erspähte, war sie sich ihrer Sache sicher. Die Muskeln gespannt, der Blick geschärft war sie nun mehr auch physisch voll und ganz auf die bevorstehende Hatz eingestellt. Ihnen war ein großer Fang sicher, wenn sie nun keine Fehler machten. Diese Jagd konnte nur durch Zusammenarbeit funktionieren. Es war nicht zuletzt auch ihr persönlicher Test am zwielichtigen Rüden, ob hinter seinen großen Tönen auch etwas stand ...

(Niyol | Am Ende des Beerenwaldes, nahe dem Moor und dem Kristallsee)



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Niyol ist offline
21.11.2015 20:56

Ihre Reaktion zeigte ihm nur zu deutlich, wie genau er sein Ziel getroffen hatte und auch, wenn er es natürlich nicht tat, um andere zu verletzen, so lobte er sich innerlich doch, denn diese Situation bedeutete, dass er wohl doch noch der alte war. Nichts hatte sich verändert. Seine Befürchtungen waren nur aus der schwierigen Situation heraus entstanden. Wurde das Leben wieder normal, konnte er also auch weitermachen wie zuvor. Na wenn das keine guten Aussichten waren! Erleichtert über diesen Umstand lächelte er die Weiße beinahe schon dankbar an.
Der freudige Umstand schenkte ihm erneut etwas Energie, welche er sehr gut für die bevorstehende Jagd zu nutzen wusste und so schlich er mit weichen Schritten hinter der Weißen her, während seine Sinne sich mit jedem Atemzug, der eine Botschaft von naher Beute mit sich brachte, immer schärfer wurden. Deutlich und klar sah er die Kontraste der Umgebung scannte innerlich jede Bewegung ohne dabei den Rundumblick und sein Hauptziel zu verlieren. Kribbelnd machten seine Muskeln deutlich, dass sie bereit waren, ihre Kraft zu entfalten und dennoch war seine Koordination besser als vor wenigen Stunden. Still genoss er diesen Zustand, den er auf diese Weise schon so lange nicht mehr erlebt hatte und rief sich jedoch gleichzeitig zurecht, nicht zu voreilig zu sein.
Als Takata sich wieder umdrehte, dachte er schon längst nicht mehr an die vorherige Situation und nickte lediglich. Jetzt grade gab es in seinem Kopf keine Persönlichkeiten mehr, lediglich zwei Dynamiken die miteinander ringen würden. Eine setzte sich aus ihm und der Fähe zusammen; auch wenn sie noch nie zusammen gejagt hatten, bis jetzt schien sie ihre Sache gut zu machen und er hatte demnach beschlossen, auf ihre Mitwirkung zu bauen, sodass ihr gemeinsam-abwechselnd aufgebauter Druck die zweite Dynamik, nämlich ihre Beute, an den Punkt bringen würde, an welchem sie sie haben wollten. Ablenkung, Überwältigung und am Ende die lang ersehnte Nahrung. Allein beim Gedanken daran spürte er wie ihm das Wasser im Maul zusammenlief.
Takatas zweiter Blick irritierte ihn kurz, holte einen Hauch des Persönlichkeitsdenken zurück und drohte ihn aus der überdeutlichen Gegenwart zu reißen, doch der Moment verging so schnell wie er gekommen war, als sie sich wieder abwandte. Nun alleine suchte er sich seinen Weg durch das immer lichter werdende Dickicht, während er gleichzeitig den Rotbraunen Pelz als auch die vermutliche Lage seiner Jagdgefährtin im Blick behielt. Zuckend achteten die Ohren auf jedes Geräusch, während er mit seinem Tastsinn und Nase erspürte, ab welchem Moment er anfangen würde, seine geruchlosigkeit für die Beute auf zu geben. Still machte er aus, ob Takatas Lage schon nahe genug war, damit er diese Grenze überschreiten konnte in welcher das Wild ihn nicht nur mit dem sechsten Sinn bemerken konnte. Jenen Sechsten aus zu schalten bemühte er sich, indem er das unvorsichtige Tier noch nicht direkt mit den Augen fixierte. Auch wenn es keinen deutlichen Beweis gab, aber er hatte einfach das Gefühl, es verbarg ihn länger, als wenn er es anstarren würde.
Die Muskeln gespannt wartete er ob eine Aktion der Weißen kam. Er durfte nicht zu voreilig sein, sie musste ebenso wie er bereit sein.

(Takata | Am Ende des Beerenwaldes, nahe dem Moor und dem Kristallsee)

"Der Wind wird dein Begleiter sein;
Und du wirst ihn vermissen, wenn völlige Ruhe herrscht."

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Takata ist offline
25.11.2015 22:02



Moment. Das war doch ... sie hatte die Ahnung eines Wolfsgeruchs in ihre feine Nase bekommen und hob sogleich das Haupt. Ein Wolf? Womöglich ein ganzes Rudel? Es würde der Schatten des Todes sein, der sich über sie legte wie eine eiskalte Pranke. Sie entschied dennoch, das Fressen nicht ganz zu unterbrechen und noch ein paar der jungen Frühblüher vom Boden zu zwicken. Ihr kleines Schwänzlein zuckte nervös, wedelte hin und her. Immer wieder stellte sie die Ohren horchend auf und drehte sie in die Richtung, aus der sie sich eingebildet hatte, diesen beängstigenden Geruch zu bekommen. Nachdem sie jedoch sicher war, sich geirrt haben zu müssen, da setzte sie das Fressen vollständig fort. Der Saft der jungen Blätter legte sich zu einem wohligen Geschmack auf ihre Zunge. Sie schaufelte das frische Leben in sich hinein in der Hoffnung, davon zu profitieren. Aber als sie das nächste Mal diesen Duft des Todes zu wittern vermochte, hob sie den Kopf abrupt und warf einen kontrollierenden Blick über die Landschaft. Nein ... dies war keine Einbildung. Sie hatte Wölfe gerochen. Es war der schmutzige Gestank blutiger Räuber, deren schmierige Leiber sie nicht bei sich spüren wollte – um keinen Preis. Die junge Ricke lenkte den Blick in die andere Richtung und hielt suchend Ausschau nach ihrer Mutterherde. Da drüben war sie zuletzt gewesen ... doch wie weit sie inzwischen gezogen waren, wusste sie nicht. Sie wollte gern versuchen den Anschluss zurückzugewinnen, bevor die Räuber auf sie aufmerksam wurden. Langsam setzte sie sich in Bewegung, stets mit der Angst im Rücken, sich durch weitere unvorsichtige Handlungen –Geräusche oder Gerüche– selbst zu verraten. Hier war es unsicher, sie musste zurück ... wo auch immer das nun war.


Das Glück schien ihnen hold. Das unvorsichtige Beutetier schien sie beide nicht zu bemerken. Bislang lief die Jagd nach Plan ... allerdings konnte hierbei genau genommen auch noch von keiner „Jagd” die Rede sein, denn sie jagten das Tier ja nicht. Takata arbeitete sich vorsichtig aus dem Tannengrün heraus. Die Mischung aus Nadeln und Ästen bot ihr ohnehin keine gute Deckung. Hier draußen, wo der Schnee auf die schneefreie Landschaft traf, war sie im Nachteil. Sie fiel gut auf durch ihr weißes Fell, während Niyol womöglich das geeignetere Tarnkleid trug. Gerade weil es nun mehr wenig Sinn ergab länger an dieser wenig brauchbaren Stelle zu verharren, entschied sie sich, in die Offensive zu gehen. Die erste richtige Jagd nach so langer Zeit musste gut überlegt sein. Sie mochte dem Rudel nicht erklären, sie hatten das Hufwild entkommen lassen, weil sie sich zu früh verraten hatten. Den Schalk und Hohn der ihr wenig gut gesinnten Rudelgenossen ertrug sie nicht. Takata wartete nicht länger, sondern verließ die Deckung mit einem dumpfen Kläffen als Signal für den Rüden, dass es losging. Nun lag all ihre Konzentration auf dem nichts ahnenden Tier zwischen dem ersten Grün. Die Läufe der Fähe trugen sie blitzschnell über die Reste der Schneedecke. Ihr Maul hechelte nach Abkühlung, denn geschwind hatte sie ihren Körper auf Höchstleistung gebracht, um die Beute in die richtige Richtung zu lenken. Das Reh musste in zum naheliegenden See gejagt werden. Dort, so erhoffte sie sich, würde das Eis eine weitere Flucht unmöglich machen.

Ohne den Blick zurück zu wagen wusste sie, dass ihr der Tod im Nacken saß. Der Geruch der Wölfe war mittlerweile trotz vorbeiziehenden Windes nicht länger miss zu deuten. Man konnte das Stapfen des Verfolger hören. Es war der Rhythmus des Niedergangs. Die Kraft, die das Rotwild in die Flucht investierte, wurde zunehmend von Angst blockiert. Lange hielt sie diese Geschwindigkeit nicht durch. Die Herde schien mittlerweile unerreichbar. Dabei war sie bis eben sicher gewesen, dass sich die anderen dort drüben befunden hatten. Die Spuren auf dem Schnee hätten ein Mittel sein können, zu ihnen zurückzufinden. Aber in der Eile der Not war keine Zeit zum Spurenlesen. Und dann das- Unweit des Sees stellte sie die Anwesenheit eines zweiten Wolfs fest. Die Gefahr wuchs an, die Überlebenschance schien zu sinken. Sich nicht eingestehend, wie aussichtslos die Flucht vor den Räubern doch war, änderte sie den Kurs abrupt und hielt auf die Seite gegenüber zu, wo der Grund weicher und unebener wurde. Es war nicht schwer zu erkennen, dass sie umzingelt war. Denn von einer Seite kam ein Wolf, von der anderen würde sich bald der nächste nähern. Die Schadenfreude, die sie bis vor kurzem noch für den erfolglosen Jäger in weiß-grau übrig gehabt hatte, kehrte sich nun zu einem Fluch gegen sie selbst um. Und der Untergrund, den ihre Hufen berührten, gab immer mehr nach. Fester Halt war an dieser Stelle der Landschaft nur noch ein Wunschdenken. Am Horn der Läufe klebte lehmiger Boden und machte das Laufen zu einer Holperpartie. Sie würde sich nicht lange halten können. Innerlich mit dem Leben abschließend, setzte sie die ungewisse Flucht über den Moor fort. Allein ihre anfängliche Schnelligkeit verhinderte, dass sie sofort darin unterging. Doch spätestens nachdem sie den Halt ganz verlor und nach vornhin umfiel wusste sie, dass der Überlebenskampf verloren war, obgleich sie die kalten Spitzen der Mäuler ihrer Feinde noch nicht in ihrem Fleische spürte. Die Wölfe war sie scheinbar fürs Erste los, doch ihr Weg nach vorn hatte sich als tödliche Sackgasse erwiesen. Sie lag hilflos auf der Flanke und spürte, wie der Boden unter ihr nachgab und sie langsam nach unten zog ...

(Niyol | Am Ende des Beerenwaldes, nahe dem Moor und dem Kristallsee)



Hintergrund: Natalia_Kollegova, pixabay | Echoes © LI

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07.12.2015 19:40

Ausstiegsbeitrag für Lynx & Teyjen




Das war sie also. Die Gegend, in der die Störche überwinterten. Wobei es ja mittlerweile fast schon nicht mehr so richtig Winter war. Auf dem Weg hier her waren sie schon an den ersten Frühblühern vorbeimarschiert. Aber die Störche dann hier wirklich leibhaftig sitzen zu sehen, erstaunte ihn dennoch. Das, was diese weiß-schwarz-gefiederten Tiere so problemlos mit ihren Flügen hinter sich brachten, waren für sie gefährliche Hindernisse gewesen. Der ein oder andere hatte es nicht geschafft ... aber sie schon und nun waren sie hier. Der Weiße grinste zufrieden und schwenkte den Blick über die Runde. Doch zu seinem Überraschen musste er feststellen, dass die übrigen Wölfe eher zurückhaltend wirkten.

Die ganz großen Freudensprünge blieben aus. Nun ja, sie waren vielleicht auch etwas müde und erschöpft. Da ging es ihm ja im Grunde nicht anders. Aber irgendwie freute er sich schon. Das hier war jetzt also ihr Zuhause. Was er nun hatte war ein neues Revier und ... ein neues Rudel. Wölfe, die er bis vor einiger Zeit nicht gekannt hatte. Vor allem den Kleinen wollte er nicht mehr missen. Aber auch an die anderen hatte er sich irgendwie schon gewöhnt, trotz ihrer Fehler und Macken. Blieb die Frage, ob es auch einen Rudelanführer geben würde. Bis jetzt sah alles danach aus, als würde Skadi diesen Posten übernehmen. Das war ihm durchaus recht, aber er rechnete fest damit, dass es Protest geben würde. Und auf neue Auseinandersetzungen stand er nicht unbedingt. Die alten klangen jetzt noch in seinen weißen Ohren. Als Lynx plötzlich die leichte Berührung an seiner Seite spürte, zuckte er kurz zusammen. So abwesend war er bis eben, dass er die Präsenz seines jungen Freundes gar nicht mehr mitbekommen hatte. Hier stand er doch, Teyjen. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, für ihn dazusein. Nicht offiziell, aber irgendwie doch schon. Zumindest solange sein Bruder fortblieb. Und er wusste, dass das unter Umständen für immer der Fall sein konnte. Lynx sah frohen Mutes auf den Jährling.

„Vielleicht ist es besser, wir erkunden das Revier auf der anderen Seite?”

Auf Jagd hatte er jetzt nicht so recht Lust. Ihm mangelte es momentan auch an den nötigen Kräften. Er war sich aber auch sicher, dass Teyjen genauso wenig allein zur Jagd gehen würde. Dieses Territorium auch nach links zu erkunden würde ihnen mehr Kenntnisse über die Beschaffenheit des neuen Reviers bringen. Auch, ob es hier ausreichend Beutetiere gab. Außerdem interessierte den Weißen, was der Grund dafür war, dass es hier keinen Schnee gab, während doch das Tal, welches sie verlassen hatten, auch im Frühjahr noch von dickem Schnee bedeckt war.

„Lass uns mal schauen, was dieses kleine Reich noch zu bieten hat. Begleitest du mich, Teyjen?”







Auch wenn es bis jetzt keinen Streit in der Gruppe gegeben hatte, war der Jährling doch verwundert über die Zurückhaltung der Wölfe. Es war nicht gerade so, dass ihm das furchtbar unangenehm war, schließlich gehörte er ja selbst zu den eher stilleren Wölfen. Aber dass sich die Wölfe, bis auf Takata, nicht unbedingt besonders sehr über die Ankunft freuten, überraschte ihn. Na klar, sie mussten das Gebiet erst mal kennen lernen. Wenn sie großes Pech hatten, waren sie soeben vom Regen (respektive Schnee) direkt in ihre Traufe gelaufen. Aber daran mochte er nicht glauben. Er hatte Lynx an seiner Seite. Und als dieser ihm vorschlug, einen anderen Weg zu nehmen, um den Ort kennen zu lernen, nickte er nur bestätigend und heftete sich sogleich an seine Versen. Es war durchaus keine schlechte Idee, mal etwas Abstand von den anderen zu bekommen. Während der Reise war das schwer möglich gewesen und wenn sie es doch getan hatten, unfreiwillig, wie nach dem Einsturz der Steine in der Schlucht, so hatte das für jeden Wolf große Gefahr bedeutet. Nur in der Gruppe hatten sie überleben können. Er hatte Skadi bis heute nicht vergessen, wie sie ihr eigenes Leben für ihn riskiert hatte und den Finsterling Tihar abgewehrt hatte. Die kleine Wunde, die sie abbekommen hatte, hätte genauso gut an seinem Hals prangern können ... und wer wusste schon, was das für ihn bedeutet hätte. Wenn man so wollte, hatte der Schwarze ihren Zusammenhalt einer harten Prüfung unterzogen – und sie hatten sie bestanden. Er hatte verloren. Aber das bedeutete nicht, dass er mit diesem Ausgang glücklich gewesen war. Viel lieber hatte er gewollt, dass sie alle friedlich blieben und sich respektierten. Alles war doch so schön, wenn jeder nur einfach ruhig blieb und nichts Böses im Schilde führte. Aber selbst jetzt, da der Rüde nicht mehr beim Rudel war – Takata schien mehr zu wissen, aber sie hielt sich bedeckt, was den Verbleib des Unruhestifters anbelangte – waren die Wölfe nicht wirklich in Frieden miteinander. Das alles hinter sich lassend, folgte er seinem Vorbild und Freund, dem Weißen. Auch auf das Riksiko hin, dass sie einer Gefahr begegneten hier im neuen Land, und war es die kaum ersehnte Rückkehr des schwarzen Teufels, so hatte er doch Lynx an seiner Seite. Und er zweifelte keinen Augenblick daran, dass der Rüde für ihn genauso einspringen würde, wie es die starke Fähe getan hatte. Und er nahm sich vor, dass er sich eines Tages bei ihm dafür revanchieren würde, dass er immer bei ihm war. Eines Tages ... wenn er so stark und mutig war, wie sein Bruder es gewesen war. Mit diesen stärkenden Gedanken trabte er seinem Freund nach, nur ein letzter, prüfender Blick galt den beiden anderen, sich entfernenden Gruppen, wie sie immer kleiner wurden. Es fühlte sich an wie ein Abschied, doch mit Lynx an seiner Seite, schlug sein Herz den regelmäßigen Rhythmus eines unberührten Wolfs, der keine Ängste zu befürchten hatte.

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11.12.2015 00:19

Zita





Ging sie eben mit der Erkundungsgruppe mit ... zumindest war sie jetzt für eine Weile Takata und den penetranten Spaßvogel los ... Und Pilgrim war bei ihr. Wahrscheinlich wäre es das Beste gewesen, der alte Graupelz hätte erst einmal eine Möglichkeit zum Rasten bekommen. Nur die Tatsache, dass er noch nicht müde zu sein schien tröstete sie und gab ihr selbst die Kraft, noch etwas weiterzulaufen. Es hätte eh nur neuen Streit bedeutet, wenn sie gefordert hätte anzuhalten. Ihr war danach zumute die letzten Kräfte für eine Erkundung zu nutzen, die sie nie wieder zu den anderen Beiden zurückführen sollte. Doch sie wusste ganz genau, dass die Sandfarbene ihr Moral eingetrichtert hätte, von wegen sie waren doch jetzt ein Rudel und so ... so dass sie es nie zugelassen hätte, dass sie die anderen einfach abhängten. Das mochte ja Takatas Traumland sein, mit den Störchen und all dem, aber sie hatte nicht darauf bestanden, hier her zu kommen. Im Grunde war sie nur wegen der beiden Rüden zurückgekommen. Pilgrim schien es wirklich besser zu gehen, trotz seiner physischen Alterung. Dies gab ihr die Hoffnung, dass es noch nicht zu Ende war. Wenn sie zurücksah und beobachtete, wie der Greis mit Marrok spielte, dann war ihr das ein wohliges Gefühl ums Herz. Und das war in diesen Tagen nicht mehr selbstverständlich. So was erhoffte sich die souveräne Fähe vorn an der Spitze? Dass sie hier irgendetwas ganz Großes fanden, dass ihnen all ihre Sorgen nahm? Sie betrachtete die Boten des Frühlings und den Sonnenschein mit relativer Gleichgültigkeit. Im Grunde wog der schmerzliche Verlust Larkas bis heute. Und das Schlimme war, dass sie sich mit niemandem hier darüber austauschen konnte, weil sie niemand kennen gelernt hatte ... und sie wollte es auch nicht. Es war ihr persönliches Gefühl, das sie mit niemandem teilen brauchte. Niemand hatte sie verstanden, als sie den anderen klar zu machen versuch hatte, dass Tihar es war, der sie hatte sterben lassen, am wenigsten natürlich Takata, die ja nur Augen und Ohren für ihn gehabt hatte und gegen jede Form der Kritik an ihm immun gewesen war.

„Das bringt alles nichts ...”

Moment ... hatte sie das eben laut geäußert? Sie sah kurz unsicher auf, aber ohne den Blick direkt an jemanden zu wenden. Und bevor ein anderer Wolf im Stande war, sie etwa zu fragen, was sie damit gemeint hatte, war sie schon wieder verstummt und hielt ihren Blick zurück auf Pilgrim. Es ging niemanden etwas an.

„Pilgrim, bitte komm zu mir.”

Sie wollte dem einzigen Wolf, dem sie hier noch bedingungslos vertraute nicht das Vergnügen mit dem alten Wolf entziehen, aber es war ein Augenblick, in dem sie den Weisen einmal für sich brauchte. Sie schenkte Marrok daher ein kurzes und etwas erzwungenes Lächeln, um ihm deutlich zu machen, dass sie ihm Pilgrim nicht „wegnehmen” wollte.
Pilgrim hörte, auch wenn es immer wieder den Eindruck machte, als bekam er gar nichts mehr so recht mit. Er löste sch vom großen Rüden und kam langsam und im schlendrigen Gang zu ihr. Sie ließ sich etwas zurückfallen und lief nun neben ihm. Dieser Ort interessierte sie nicht ... sie brauchte ihn nicht erkunden. Alles was sie jetzt wollte war jemand, der sie verstand. Und selbst wenn Pilgrim nicht wie jemand schien, der dazu im Stande war, war sie ganz in ihrem Innern doch sicher, dass er ihr Denken und Handeln besser nachvollziehen konnten als die meisten anderen hier ... auf jeden Fall trug er keine Vorwürfe und Vorurteile gegen sie zu Felde und war daher ein fairer Begleiter. Sie fuhr mit der Nase durch sein altes Fell und genoss es, ihn bei ihr zu haben. Und sie war ganz sicher, dass er diese Geste sehr genau verstand. Sie traute es ihm zu, denn für sie hatte er den eisten anderen aus dem Rudel einiges voraus.


(bei Pilgrim, Marrok, Skadi, Shiro und Catori)

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