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NPC
... unverhofft kommt oft ...


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NPC ist offline
19.09.2022 15:34

+ Urfaust +


Gleich drei Wanderer verirrten sich in den Flecken Erde, der ein kühles Grab versprach! Drei an der Zahl, die ihre armselige Existenz aufs Spiel setzten, womöglich um das weite Abenteuer zu suchen! Es entzückte den gemeinen Betrachter, diese armen Gestalten durch das weißeste Weiß schlendern zu sehen, dass die Natur zu bieten hatte. Was konnte es schöneres geben als den bitteren Kontrast zum unschuldigen Weiß? Im hektischen Schlingern zog er über weite Distanz über ihren Köpfen hinweg. Immer wieder trieb der Wind ihn hoch, dann ließ er sich abfallen und stieg wieder auf. Die drei Punkte hüpften gar lustig über das weißeste Weiß, das das Tal bedeckte wie ein blasses Leichentuch. Im Strudel ließ er sich langsam herabsinken, stieg dann nochmals auf, näherte sich tendenziell aber mehr und mehr dem Erdboden mit den armen verirrten Erdenkreaturen, die des Fliegens nicht mächtig waren ... nicht mächtig sein würden. Armes Gewürm, das verdammt, mit den Füßen am Erdboden zu weilen, nicht aufsteigen und fallen zu können, wie es seinesgleichen taten. Wie die Insekten in den lauen Sommerabenden, die hilflos über die Felder krochen und denen jeder Grashalm ein schier unüberwindbares Hindernis war ... bis einer aus der Luft kam und sie von ihrem tristen Dasein erlöste. Das traf es punktgenau!
Er ließ sich im Sturzflug näher und sandte erstmalig das heiserste Krächzen aus, das die Luft je übermittelt hatte. Es hallte so schön wieder in der blanken Eiseskälte, traf auf die nur wenig entfernte Gebirgskette und wurde zurückgeschleudert zu einem Echo, dass einem jeden lebenden Wesen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er stürzte immer weiter, stieß ein zweites, anklagendes Krächzen aus, das für sich daherkam wie ein spitzer Pfeil, der sein Weg in ein unschuldiges Herz suchte.
Vielleicht die große Schwarze, die seiner Erscheinung beinahe ebenbürdig war? Oder das schneeweiße Gegenstück, das sich vor dem Hintergrund der Leichenblässe zu verstecken versuchte? Sie hatte ihre Fellschwester dabei, noch ein armes Ding, auf dem jeder Spritzer Blut leicht zu sehen war, wenn es austrat. Rot und Weiß, ein feiner Kontrast für den Todvernarrten. Bevor er die drei Verlorenen erreichte und einem von ihnen womöglich den Schädel spaltete mit einem Schlag seines Schnabels, drehte er ab und flog einen Bogen, der so rund war wie der mystische Vollmond. Sein drittes kraaaaaaah klang wie das Entflüchten einer Seele von jemandem, der seinen letzten Atemzug tat. In sicherer Entfernung ging er zu Boden. Der kleine schwarze Körper landete wie ein Pfeil im dichten Weiß des Leichentuchs, wo noch einige Spritzer aufflogen, bevor er darin verschwunden war und es für einige Herzschläge lang blieb ...
...
...
... eh er wieder herausschoss wie vom Boden eruptiert und auf die geschlossene Schneedecke platschte wie ein irrer Fluganfänger. Dort gurrte er mehrmals vor sich hin, beklagte sich über die Nachteile der Bodenständigkeit, eh er sich die Flocken aus dem Gefieder schüttelte. Die drei Punkte waren nun bedeutend größer als aus der Luft, doch noch immer waren sie Punkte, die nur darauf warteten, vom Weiß, das sie umgab, verschlungen zu werden. Der Meister der Lüfte kehrte zur Ruhe zurück, die hier vor dem Eindringen der drei Räuber geherrscht hatte. Er musterte sie von weit ab mit akribischer Genauigkeit, beobachtete jeden Schritt, den sie taten, jede Bewegung, die sie vollführten ... und schwieg dabei. Der Pfeil aus der Luft war zu einem Objekt der Landschaft geworden, erstarrt im Eis ........... Totenstille.



[Aarinath, Shiro, Ayjana | Polarwüste]

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Valdis
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Valdis ist online
25.09.2022 10:50

Wie lange war sie schon gelaufen? Sekunden? Minuten? Monate? Oder sogar Jahre? Immer weiter durch ein Meer aus Schnee und Eis. Ein Blizzard, sie erinnerte sich, war hereingebrochen über sie und ihre liebe Schwester Bleika. Dann ... nichts. Doch ihre kräftigen Pfoten trugen sie weiter, immer weiter, durch die Lande. Wo Forni lag, auch dass wusste sie nicht mehr. Ob ihre Eltern noch lebten? Ihre vier Geschwister? Unklarheit bestimmte ihre Gedanken.
Sie kannte die Gegend, in der sie sich jüngst befand, nicht, aber ihr innerer Drang führte sie dazu, weiter zu laufen. Weiter, immer weiter...
Ihre feine Wolfsnase am Boden versuchte sie trotz der dicken Schneeschicht irgendetwas zu wittern. Ihr Magen knurrte. Außer ein paar Mäusen und Schneehühner hatte sie lange nichts mehr gefressen. Ein Rentier oder Hirsch wäre ihr jetzt recht - doch wusste sie, dass sie als alleine lebende Wölfin keine Chance auf eine so große Beute hatte.
Einerseits genoss Valdis das Alleinsein. Andererseits sehnte sie sich nach Kontakt, irgendein wölfisches Wesen, nur um zu reden, zu jagen, sich geborgen fühlen.

Plötzlich kam ihr ein Duft in die Nase. War das etwa der Geruch von Beute? Ein Reh vielleicht? Ihre Ohren schnippten freudig nach vorn und sie kämpfte sich durch die Decke aus Weiß. Immer wieder versackten die breiten Pfoten in der Schicht aus Schnee und Eis, doch Valdis kämpfte sich weiter.

In ihr kitzelte es, eine Vorfreude auf ein Stück Beute. Valdis schien dem Kadaver näher zu kommen, denn der Geruch wurde stärker.
Doch auf einmal war da noch etwas anderes. Wölfe? Konnte das sein? Valdis zweifelte an ihren eigenen Empfindungen. Weswegen sollten hier Wölfe sein? Und waren sie in einem Rudel, würden sie sie vertreiben, beißen, verfolgen? Natürlich konnte sie es nicht wissen, ohne es wenigstens zu probieren.

Valdis legte den Kopf in den Nacken und stieß ein einsames, langes Heulen aus, welches der kalte Wind in die Ohren der beiden Wölfe tragen sollte.
Langsam näherte sie sich den Beiden. Es schien eine Fähe und ein Rüde zu sein, beide mit weißem Fell. Valdis vermutete, dass sie sich kennen zu schienen. Aber wie würden sie auf einen Fremden reagieren?

Sie musste es probieren. Lange würde sie nicht mehr alleine zurechtkommen. Vorsichtig näherte sie sich den beiden Wölfen, deren Fell von Schnee verklumpt war. Valdis versuchte einen positiven ersten Eindruck zu erwecken - schließlich war sie alleine und die Wölfe gemeinsam unterwegs.

Wenige Wolfslängen voneinander entfernt blickte sie der Fähe, die wunderschöne gelbe Augen hatte und dem Rüden, mit braunen Iriden, direkt an. Dann hob sie selbstbewusst ihren Kopf, schnaubte leise und richtete ihr Wort an die beiden Fremden.

"Riecht ihr das auch?", und blickte in Richtung der Fährte der Beute. "Scheint hier im Eis verendet zu sein."

Ihre Ohren zuckten und sie blickte über ihre Schulter, wo sie den Kadaver vermutete. In ihr kam etwas auf, was sie als Unsicherheit deutete. Sie war so lange allein gewesen, der Verlust ihrer Familie schien in weiter Ferne. Vielleicht war dies ein Neuanfang. Man müsste es zumindest versuchen.

[kommt auf Takata & Lynx zu // Eisschlucht des Todes]

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Takata
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Takata ist offline
25.09.2022 17:07

Sie verschnaufte noch eine Weile, eh sie sich langsam aus dem eiskalten Grab befreite, herauskroch wie aus einer tiefen Talmulde und auf die Schneeoberfläche stellte, wo sie sich erst einmal ausgiebig schüttelte. Hatte sie es mit dem Jagdeifer übertrieben? Kaum auszudenken, wenn sie für ein einfaches Reh ihr Leben gegeben hätte ... dabei hatte sie Lynx noch gewarnt, wollte nicht verantwortlich sein für seinen zu frühen Tod. Verunsichert sah sie sich um und stellte sicher, dass niemand Zeuge dieses unrühmlichen Vorfalls geworden war, von Lynx einmal abgesehen. Sie teilten nun ein Geheimnis und sie wünschte sich, dass es nie in das Hirn eines Anderen dringen würde. Nicht einmal das Reh hatte es mehr wahrnehmen können, denn es hatte durch den Absturz und die Lawine offenbar sein Leben verloren, was ihnen als den Jägern nur recht sein konnte. Dennoch ... das Gefühl der Beschämung gegenüber Lynx, der die unbedachte Fähe, die sich wie ein übermütiges Jungtier gebärdet hatte, aus dem Schlamassel, aus dem Schnee gezogen hatte, blieb. Und sie? Wie sollte sie nun ihren Dank zum Ausdruck bringen? Takata war versucht, dem Rüden einen Stupser, mehr noch, vielleicht eine Berührung mit der Zungenspitze an die Schnauze zu geben, als Zeichen ihres tiefen und innigen Danks. Es war absurd. Vor kurzem noch wäre sie bereit gewesen, ihr Leben abzugeben, hatte nicht übermäßig daran gehangen nach all den Enttäuschungen. Jetzt aber machte ihr der bloße Gedanke des Todes, des Sterbens an sich, viel aus und das nicht nur wegen der Vorstellung, unter einer Schicht aus Eis und Schnee zu ersticken. Sacht breitete sich ein zaghaftes Lächeln in ihrem Gesicht aus. Mit nach hinten gelegten Ohren und leicht gesenktem Haupt kam sie dem Rüden näher. Dabei war es nicht so, dass sie zu ihm eine Art sexuelles Verlangen verspürt hätte. Er war ein ordentlicher Rüde, aber er hatte nicht die Ausstrahlung, die einst Kyevjen gehabt hatte. Dafür war er jemand, dem man vertrauen musste. Takata hegte das Verlangen, sich enger an seine Seele zu binden, weil sie ihr gut tat wie schon lange niemand mehr. Dabei hatte gerade sie noch immer mit der Enttäuschung von Tihar zu kämpfen, der sie ausgenutzt und weggeworfen hatte, nachdem sie so lange und intensiv in ihn ... investiert hatte.
Kurz bevor sie seine Schnauze erreicht hatte, im matten Schein des Tageslichts, ertönte ein Heulen. Erschrocken riss sie den Kopf herum und stellte die pelzigen Ohren nach vorn. Für den Moment war es ihr so erschienen, als waren sie beide ganz allein auf der Welt gewesen ... Skadi und das Rudel ganz weit weg ... und nun wurden sie zurück ins Hier und Jetzt geholt. Ein Wolf ... in dieser Ödnis? Wer wagte es, ihr trautes Beisammensein empfindlich zu stören, sie von ihrer schweren Pflicht der Danksagung abzuhalten, wenn sie die einzig wirkliche Chance dazu hatte ...?
Man musste die Augen zusammenkneifen, um das fremde Geschöpf zu erkennen. Da der Wind in Richtung der Fremden fuhr, der ihre Fellhaar rhythmisch auf- und abgehen ließ, hatten sie sie womöglich erst spät bemerkt. War dieses Wesen echt? War es angelockt vom Duft frisch geschlagener Beute? Wie konnte sie es wagen ...
Die Polarwölfin nahm Abstand von ihrem Lebensretter, stellte die Ohren pfeilartig nach vorn und bleckte ungewöhnlich erbost die Zähne. Oh, hätte Tihar sie so erlebt, er hätte es nicht glauben können. Sie war überrascht von sich selbst. Aber ein Fremder, der ihnen diesen Augenblick stahl, weil er sich an ihrer Beute ergötzte ...? Das war zu viel.
Verendet? Sie war fast gestorben für dieses Reh. Die Weiße lief im großen Halbkreis um die Hinzugekommene und schnüffelte dann und wann über dem Boden nach der Stelle, wo die Beute liegen musste. Natürlich. Kaum war die Beute gerissen, kamen die Aasgeier herbei! Und hätte sie die Lawine nicht überlebt, hätte für die Fremde auch kein Hindernis bestanden. So aber verteidigte sie das Reh wie eine Mutter ihr Junges und nahm eine eindeutige Haltung ein.

„Das ist unser Reh“, stellte sie außergewöhnlich streng fest und sah kurz prüfend auf Lynx, der sich aber zurückzuhalten schien.

„Was machst du hier?“

Die Frage war auch ohne den enthaltenen Vorwurf berechtigt, denn die Eiswüste war alles andere als ein Anzugspunkt für pulsierendes Leben. Dass sie die Beute bis hier her verfolgt hatten, ihre letzten Kräfte investiert und ihr Leben riskiert, war schlimm genug. Das Letzte, was sie nun brauchten, waren ungebetene Mitesser ...

[Lynx & Valdis (Pantalaimon & Roghir in der Nähe) | Eisschlucht des Todes]



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Valdis
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Valdis ist online
27.09.2022 12:09

Aufgeregt schnippten Valdis Ohren vor und zurück. Die weiße Fähe, derer sie sich genähert hatte, bleckte erbost die Zähne und die Haut auf ihrem Fang kräuselte sich. Valdis erhob selbstbewusst den Kopf und stellte die Rute auf. Damit hatte sie ehrlich gesagt nicht gerechnet! Nun ja, sie war eine Fremde, die auf zwei (so schien es) bekannte oder sogar befreundete Wölfe zugekommen war, und sie interessierte sich an fremder Beute...was hatte sie denn erwartet?
Womöglich ein "Hey, klar darfst du das Reh fressen, welches wir gefunden oder auch erbeutet haben"? Natürlich nicht. Valdis war mit ihren zwei Jahren wohl noch etwas zu naiv. Schließlich kannte sie außer ihrer Familie keine anderen Wölfe. Was hatte ihre Mutter den fünf Welpen immer gepredigt? Sie dachte angestrengt nach, doch außer einem inneren Bild ihrer Mutter kam ihr nichts in den Sinn.

Valdis reagierte plötzlich ebenso scharf. Ihr graugestromtes Nackenfell stellte sich in die Höhe, sie knurrte leise, aber mit deutlichem Unterton und ihre Rute wehte im eisigen Wind.

"Verzeiht, Eure Hoheit", zischte sie der weißen Fähe entgegen. Stolz kam in ihr auf. Sie hatte nicht klein beigeben, sondern hatte ihr Stellung verteidigt. Chaska, ihr Vater, wäre stolz auf sie gewesen.

Dann hörte sie die Frage der Fremden. Langsam beruhigte sie sich und starrte die Weiße ohne sichtbare Mimik an. Die Kälte der Umgebung stieg in ihre Knochen und machte sie zu der Eiskönigin, die sie war.

"Ich war nur unterwegs, hab das Reh gewittert und das war's", sagte sie nun, mit lauter Stimme. Der Wind um sie herum schien die Worte zu packen wie eine Klaue und über das Meer aus Eis und Schnee hin fortzutragen.

Ihre bernsteinfarbenen Augen waren fest auf die beiden Wölfe gerichtet. In ihr pulsierte Aufregung und Spannung. Auch wenn der erste Kontakt zu diesen Fremden nicht gerade freundlich war, sie war von sich selbst überzeugt, dass sie richtig reagiert hatte.

Noch einmal schnaubte Valdis und setzte sich dann auf ihre Hinterpfoten. Ihre lange, rosane Zungen fuhr über ihren Fang, der sich mit Speichel gefüllt hatte in Hoffnung etwas fressbares zu finden.

[reagiert auf Takata // Eisschlucht des Todes]

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Pantalaimon
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Pantalaimon ist offline
30.09.2022 16:25

Interessiert und ein wenig belustigt beobachtete der braune Rüde den Wandel in Roghirs Körpersprache. Hatte er zuvor noch sehr gefasst gewirkt, während er Pan durch die Landschaft folgte, schien er nun ziemlich aus dem Häuschen über ihren Fund. Überraschenderweise lag da zwar Erleichterung, aber keine Freude in seinem Blick, als er die Vermutung bestätigte. Einen Augenblick hätte man meinen können der Dunkle wäre verunsichert. Was musste zwischen ihm und der Gesuchten vorgefallen sein, um eine solche Reaktion auszulösen?

Freund...?, hallte es leise durch Pans Kopf, als sein Begleiter das Wort an ihn richtete. Seine Gedanken waren auf einmal wie leergefegt, bis auf jenes Wort. Er war ehrlich erfreut darüber, dass der Jüngere ihm scheinbar wohlwollend entgegen sah, obwohl sie sich nicht gut kannten. Jetzt war er es, dessen Rute von Seite zu Seite schwang und er antwortete Roghir mit einem vertrauensvollen Nicken, bevor er ihm folgte.

Der Schwarze schien sich Sorgen um etwas zu machen, zu dem Pan die Informationen fehlten, um sich einen Reim darauf zu machen. Zwar würde er sicher keine große Hilfe sein können, aber er nahm sich vor den anderen so gut es ging zu unterstützen. Deshalb schloss er flinken Schrittes zu ihm auf und versicherte:

„Keine Sorge, ich bin nicht in der Position zu urteilen, egal wie hässlich es vielleicht wird.“

Auch er spürte, wie das Klima sich veränderte. Nach seiner kurzen Bekanntschaft mit den einladenden Bedingungen der Storchenhalbinsel, schickten die kühler werdenden Luftströme kleine Schauer über seinen Rücken. Dazu kam, dass er der eisigen Kälte gerade erst entronnen war. So schnell wieder dahin zurück zu kehren, widerstrebte ihm. Wenigstens war er diesmal nicht allein.
Doch Roghirs Tempo nahm mit jedem weiteren Meter ab. Als Pan witternd die Nase in den Wind hielt, erkannte er den Grund dafür – Takatas Geruch war kaum noch zu erkennen und auch der des anderen Wolfes war so gut wie verschwunden. Ratlos wechselte er einen Blick mit dem Schwarzpelz.

„Was nun?“, fragte er in die weiße Stille hinein, als er plötzlich die Ohren spitzte. „Hörst du das?“

Erst drang das Geräusch nur ganz schwach an die beiden Rüden heran, doch dann war sich Pan ganz sicher – es war Wolfsgeheul und es war nicht weit entfernt.

[hört Vladis Heulen | bei Roghir in der Nähe der Eisschlucht des Todes]

'You crave the applause, yet hate the attention, then miss it - Your act is a ruse.'

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Takata
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Takata ist offline
30.09.2022 19:24

Das Reh musste hier irgendwo sein, darin bestand kein Zweifel. Es konnte die Lawine nicht überlebt haben ... weil ... es keinen Freund hatte, der ihm half, aus den Klauen des eisigen Winters zu entkommen. Und sie musste es finden, bevor die gefräßige Fremde es ihr streitig machen konnte.
Sie hatte geahnt, dass Lynx eher beschwichtigende Saiten aufziehen würde. Das musste sie akzeptieren, aber dennoch konnte sie der Fremden nicht verzeihen, dass sie ihren Moment gestört hatte, in dem sie ihm zu tiefster Dankbarkeit verpflichtet war. Wie sollte sie das nachholen ...?
Die Weiße funkelte aus missgünstigen Augen. Die Ironie in der Stimme der Hinzugekommenen machte es nicht besser. Takata hatte die Schnauze voll davon, anderen Wölfen, fremden Wölfen, ihr Herz anzuvertrauen. Den Fehler hatte sie ein Mal begangen und es würde ihr nicht wieder passieren. Sie hob die Lefzen etwas und drohte der Störerin, obgleich Lynx es nicht gutheißen würde. Die Anspannung in ihren Gliedern war hoch. Neugierig, zu allem Trotz, hob sie die Nase in den schwachen Wind und versuchte, den Eigengeruch der Fremden einzufangen und zu verarbeiten. Das jedoch ging schwer aus der Ferne und so zog sie ihre Kreise etwas enger um das Wesen, das hier so wenig hergehörte wie sie. Sie wollte wissen, wie sie roch, bis ihr wieder einfiel, dass es angebracht war, Abstand einzuhalten.

„Bleib uns ja fern, Prinzessin. Wir brauchen die Krankheit nicht!“

Jetzt sah sie verstohlen auf Lynx. Hatte sie sich eben verplappert? Sie schluckte. Der Rüde wusste bisher nichts von dieser geheimnisvollen Seuche und sie war es ihm schuldig geblieben, ihm davon zu berichten, bevor sie sich so nahe gekommen waren. Zu ihrer Entschuldigung blieb festzuhalten, dass sie sehr unverhofft aufeinander geraten waren, sodass ihr kaum die Gelegenheit geblieben war, einen Plan auszuhecken, wie sie mit der Tatsache umgehen sollte, dass sie von denen kam, die sie am Ende womöglich in sich trugen.
Und wie zur furchtbaren Bestätigung all ihrer Ängste, mischte sich zu dem Geruch des Eindringlings auch noch der ihr eines kaum bekannteren Wolfs, der sie dennoch an das kurze, wenn auch unangenehme Intermezzo erinnerte, das ihr vor dem Verlassen der Gruppe zuteil geworden war. Sie hob die Nase noch höher in den Wind und witterte mit blinzelnden Augen. Es sah vielleicht aus, als war sie geruchsblind und vermochte es nicht, die Witterung der vorlauten Fremden auf eher kurze Distanz einzufangen, dabei hatte sie schon einen anderen Geruch in der Nase, der ihr ebenso wenig gefiel. Als ihr bewusst wurde, dass da etwas im Busch war (von denen es hier allenfalls vertrocknete, tote gab, die keinem ein Versteck mehr boten), zuckte sie zusammen und sah mit geweiteten Pupillen in die weiße Ödnis. Nein .. das durfte nicht wahr sein!

[Lynx & Valdis (Pantalaimon & Roghir in der Nähe) | Eisschlucht des Todes]



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Kachnik
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Kachnik ist offline
02.10.2022 00:23

Schnaufend stemmte er seinen triefenden Körper, der gefühlt bereits den halben See in sich aufgesogen hatte, mit tauben und zitternden Beinen vorwärts Richtung Ufer. Wenigstens war alles gut ausgegangen, nicht? Es war fast ein euphorisches Gefühl, sicher aus den Gewässern zu kommen, ganz ohne fatalen Verlust! Doch warum, war da ein Hauch Traurigkeit, der sich durch seine Schädelritzen hereinschlich? Er fühlte seine Muskeln langsam nachgeben. Vielleicht war es auch die Vorfreude, die ihm diese Schauder durch den Körper laufen ließ und seine Beine so ungelenk machte. N ... Noch nicht. Noch war er noch nicht an Land.

Seine dünnen Beine, ungewohnt steif, kämpften gegen die neue Schwere an, nun da seine Pfoten diesen schlammig erdigen Grund unter sich gewonnen hatten, auf den er zugegebenermaßen nicht ganz richtig auftreten konnte. Das Wasser platschte und schwappte um seinen Bauch herum, versuchte ihn umzustoßen. Gleich, in Sicherheit.
Mit einem lauten Platsch ließ er schließlich seinen Vorderkörper voran auf dem festen trockenen Boden ploppen, während sich um seine Brust herum in Windeseile eine Pfütze bildete. Ein leichtes obligatorisches Schwanzwedeln brachte sein erschöpfter Körper noch zustande, als sich sein Vorderkörper mit einem Mal entspannte. Sein Atem pfiff durch seine Zähne, an dem Beutetier in seinem Maul vorbei, während sein Kopf noch leicht dröhnte. Die Beute, nun auf sicherem Terrain, rollte ihm sachte zur Hälfte aus dem Maul vor seine Schnauze. Ihm wollten fast die Augen vor Erleichterung zufallen, als es in Wassertropfen und Worten nur so herabregnete.

Wa ... ? Er schielte hinauf zu einer seltsam angeregten giftspuckenden Kreatur, die ihm gerade ehrlos die Beute wegriss und sie wie ein Welpe um sich warf und den verlockenden Geruch überallhin verteilte. Hatte der was auf den Kopf gekriegt, hatte sein Gehirn noch nicht genügend Sauerstoff? Was war denn jetzt bloß sein Problem? Mit einem Mal war alles Mitleid, das er in den letzten Momenten für dieses arme Tier empfunden hatte, so schnell verschluckt, wie ein Regenwürmchen, das kurz aus der Erde lugte. Wollte er diese Beute ganz für sich beanspruchen? Sah, wohl so aus ... Er legte die Ohren an und schnupperte unzufrieden. Kachnik hätte mit ihm ja gerne Erbarmen gehabt, er hätte ja gerne etwas abgegeben, aber jetzt? Auch noch als derjenige, der sich so unfähig verhalten hatte, und mit Absicht - ja, wie sonst war er wohl in diese Situation geraten - die ganze Operation sabotiert hatte. Er hob seinen Vorderkörper leicht an und starrte den irregewordenen Wolf mit verengten Augen von unten an, während der andere Probleme zu haben schien, sich verständlich auszudrücken. Wäre Kachnik nicht noch so kraftlos und würde Yarok nicht hier sein, würde er ihn gleich wieder ins Wasser stupsen! Kachnik schnaufte, und presste erschöpft seine Stimme aus dem Hals.

"Sei doch froh, dass du lebst, dass du überhaupt noch die Fähigkeit hast, zu fressen!", er hasste, wie der Tollpatsch so leichtfertig seine Haltung änderte, nur noch Augen für die Beute hatte, nach so einer knappen Rettung,
"Ich dachte ... die Beute wäre für alle. Und sowieso, warst du nicht derjenige, der ... zu feige gewesen war, die Beute im Schach zu halten? ... nur weil du einen Schluck zu viel Wasser atmen wolltest?"

Er war sich nicht sicher, ob er erwähnen sollte, dass Yarok den kleinen Retter Avons praktisch aus Mitleid zurückbleiben ließ. Würde Avon dem anderen gegenüber unterschiedlich reagieren? Kachnik legte müde seinen Kopf schief. Wie würde Yarok sich Kachnik gegenüber fühlen, wenn Kachnik die Ehre des Rüden bewahrte? Wäre es ihm egal? Hörte er ihnen überhaupt zu? Oder ... hatte Yarok ihn mit Absicht in diese Situation bringen wollen?
Mit gerunzelter Stirn zuckten seine Ohren kurz in die Richtung des Rüden, bevor er sie wieder auf Avon richtete, der nun mit dem Tier wegstolzierte, in einer Art, die einen jeden nur erzürnen konnte. Warum war Kachnik überhaupt ins Wasser gesprungen? Warum? Was sollte das? Avon hatte sich auch nicht um ihn geschert, als er zu Anfang Wasser in den Schädel bekommen hatte, war einfach blindlings losgestürmt ins Wasser. Wieso sollte Avon jetzt privilegiert behandelt werden, nur weil er wieder ein Tollpatsch gewesen war? Kachnik hatte alles in seiner Macht getan, um das weiße Monster abzuhalten. Jawohl! Avon oder Yarok hatten ja auch nicht mehr gegen das Tier ausrichten können, oder? Und wäre Kachnik nicht gewesen, würde die Beute gerade noch im Wasser herumgleiten, wer weiß wohin. Außerdem, Avon war ja wenigstens noch am Leben! ... Das konnten andere nicht von sich behaupten!

"Aber, zei ... Zeigst du so deinen Dank? Dein Hirn und deine Ehre haben wohl noch nicht ihren Weg aus dem Wasser gefunden?"

Er redete mit einem trotzigen Unterton auf die Figur ein, die sich zu Yarok gesellte. Die hören wohl sowieso nicht mehr zu. Kachnik schnaubte, als er deren Liebesgeplänkel und Avons Schleimerei wahrnahm. Natürlich steckten die unter einer Decke! Verteilen den Geruch überall auf den Boden, und machen sich dann sicherlich heimlich über Kachnik lustig! Er schüttelte sich. Kachnik war nicht nutzlos! Kachnik hatte sehr wohl eine Rolle gespielt! Wieso, fühlte sich diese Rettung gar nicht mehr so toll an, wie er erwartet hätte? Wieso fühlte er sich, jetzt wo sie alle in Sicherheit waren, dass es ihm egal gewesen wäre, wenn Avon im Wasser geblieben wäre? Kachnik versuchte sich das Wasser, vermutlich Übrigbleibsel von Seewasser, aus den Augen zu kneifen. Die waren alle anders als die Wölfe, die er kannte. Er wusste gar nicht, ob er überhaupt, das Lob Avons haben wollte. So wie er den beiden zusah, wurde ihm fast schlecht! Sie waren überhaupt nicht wie er!

"Ich ... ich gehe.", flüsterte er leise, setzte sich aber stattdessen von den anderen abgewandt, demonstrativ auf die Stelle. Sollten, die sich doch vollstopfen! Er bemerkte, den Duft frischer Beute, sich ihm annähern. Yarok. Der vermaledeite Geruch hing ihm demonstrativ um die Schnauze. Was? Wollte er sich über ihn lustig machen? Er atmete tief ein, als er seine Frage vernahm.
"Blendend ... mir geht's blended.", murmelte er mit zittriger Stimme, ohne aufzusehen.

[Avon & Yarok | Mondscheinsee]

IP
Ayjana
Herzenswärme


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Ayjana ist offline
02.10.2022 20:25

Eine Weile war es still gewesen und die drei Wölfinnen trabten weiter ihres Weges, ehe Aarinath die Stille brach. Ihre Worte waren warm und beinahe etwas tröstend. Ja, sie hatte recht. Jana hatte es in ihrer Heimat nicht mehr ausgehalten, weil diese verdammten Schuldgefühle sie zu erdrücken und sie tagtäglich in der Schuld zu ertrinken drohte genau wie Mizzi es in den Fluten getan hatte. Dankbar warf sie ihrer Fellschwester einen warmen Blick zu.

Kurz nach Aarinath erklang auch Shiros Stimme. Ein kleines Lächeln huschte über die traurig gewordenen Züge Ayjanas. Shiro hatte recht. Weshalb auch immer etwas im Leben geschah, es mochte seine Gründe haben.
Ayjana war sich jedoch auch bewusst, dass sie diese Worte noch nicht ganz annehmen konnte. In Momenten wie diesen merkte sie immer wieder, dass der Tod ihrer Schwester mehr als Narben hinterlassen hatte und dass sie noch lange nicht über ihr Ableben hinweggekommen war. Würde es irgendwann aufhören zu schmerzen? Würde sie in ferner Zukunft verstehen, weshalb so was geschehen musste? Die Zukunft würde es ihr verraten, vielleicht irgendwann.

Gemeinsam werden wir mit Sicherheit noch einiges schaffen Jana wiederholte die Worte ihrer Fellschwester innerlich und ihr wurde warm. Es war schön so etwas zu hören. Gemeinsam. Jana nickte nun wieder sichtlich erleichtert und gelöster.

"Gewiss, wir sind alles stark und wir können vieles voneinander lernen." ergänzte sie schliesslich.
Hoffentlich würde das Rudel bald schon wieder zusammenfinden und gemeinsam aushecken was sie als nächstes tun würden. Doch die Devise würde nun erst einmal heissen, Step by Step!

Wie weit die Wölfinnen sich nun bereits in die Polarwüste hinausgewagt hatten? Die Landschaft war mittlerweile von Schnee und Eis geprägt, überall weiss wohin das Auge blickte. Bäume waren schon seit Längerem keine mehr zu sehen und es herrschte mittlerweile eine totenstille. Nur die Schritte der drei Jägerinnen waren zu hören, ihr Atem hinterliess weisse Wölkchen, welche in den Himmel zogen. Lange schon hatte die Nase Ayjanas keinen Geruch mehr wahrgenommen, der es wert war verfolgt zu werden. Ob sie hier richtig waren? Auf einmal durchschnitt ein anhaltendes laut hallendes "Kraaaaah" die Stille und Jana zuckte zuerst erschrocken zusammen, ehe sie den Blick gegen den Himmel hob. Ihre Augen brauchten einen Moment, um in der endlosen Weite des Himmels den Raben hoch über ihren Köpfen ausmachen zu können. Auf was er wohl lauerte? Auf ihr Ableben, damit er sich an ihnen gütlich tun konnte?! Sie schüttelte den Kopf.

"Seit langem das erste Geräusch, das ich höre, seit wir uns hier in der Polarwüste befinden. Meint ihr, wir sollten noch weitergehen? Meine Eltern haben immer gesagt, Raben sollen Unglück bringen..." Jana legte eine kurze Pause ein, ehe sie weitersprach ... oder den Tod!

Ihre Stimme war durchzogen von Unsicherheit und Zweifel und fast schon hoffnungsvoll blickte sie angestrengt in die weisse Weite, um etwas anderes ausmachen zu können ausser Schnee und Eis. Vielleicht hätten sie doch in die andere Richtung gehen sollen, aber vielleicht hatten die beiden anderen Argumente, weshalb sie noch weiter gehen sollten. Abermals warf sie einen Blick gegen den Himmel, konnte den schwarzen Vogel jedoch nicht mehr ausfindig machen. Was hatte der Vorbote von Tod und Unheil so fernab seiner Heimat hier verloren.

Vielleicht ein böses Omen?

[Aarinath, Shiro | In der Polarwüste]




Lyrics © Maggie Stiefvater Buchreihe "Die Wölfe von Mercy Falls"
Bild © Elli S. Dawnthieves

Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von Ayjana am 02.10.2022 20:27.


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Valdis
Die Eiskönigin


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Fähe
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Valdis ist online
09.10.2022 13:22

Valdis herzt hüpfte! Einerseits quälte sie der Hunger, andererseits konnte sie die weiße Fähe und den Rüden neben ihr nicht einschätzen. Was sollte sie nur tun? Sie hatte gehofft, auf irgendein wölfisches Wesen zu treffen, sie hatte sich das schon so oft in Gedanken zusammengesponnen. Vor ihrem inneren Auge sah sie sich, wie sie selbstbewusst auf ein Rudel traf und sofort respektiert und wertgeschätzt wurde. Dann hätte sie sich behauptet und wäre - natürlich - sofort einer der Leitwölfe geworden....so zumindest hatte sie sich ihr weiteres Leben vorgestellt. Und nun? Außer einer zickigen Fähe und einem Rüden, der sich kaum in ihre Konfrontation einzumischen schien, war sie in einer Eiswüste gefangen.
Warum war das Leben so unfair? Sie wollte doch nur etwas Fressen, sie wollte nur beweisen, wie stolz und verantwortungsbewusst sie war...und dann drangen ihr die Worte der Weißen an ihre Ohren.

"Prinzessin?" , sie musste schmunzeln. Doch der zweite Satz ließ Valdis den Kopf erheben und starrte die Weiße an. Krankheit? Was für eine Krankheit? Wahrscheinlich würde die Fähe bemerken, wie überrascht Valdis war. Sie verstand nicht, was das bedeuten sollte. Sie drehte den Kopf zur Seite und steckte den Fang in ihr plüschiges Fell und sog ihren eigenen Duft ein. Valdis roch nicht nach Krankheit. Dann reckte sie den Kopf in den eisigen Wind...doch außer der zarten Fährte eines anderen Wolfes ("vielleicht ein Rüde?", überlegte sie) war nichts zu wittern.

Ihr Magen knurrte laut auf. Unmissverständlich hatte die Fähe ihr klargemacht, dass es ihre Beute war. Valdis dachte nach. War das Reh an einer Krankheit gestorben? Oder war es durch die Jagd der Wölfe zugrunde gegangen und dann einfach von den Schneemassen begraben?

"Ich ... bin nicht krank?", flüsterte die Zweijährige unsicher. Sie legte erneut den Kopf schief. Dann kam in ihr wieder der Stolz auf und sie reckte ihren Hals selbstbewusst nach oben und versuchte einen eiskalten Blick in die braunen Augen der Fremden zu finden.

Ihre Ohren schnippten vor und zurück, ihre feine Wolfsnase witterte andere Wölfe.

"Ihr seid nicht allein hier, oder?", fragte sie und versuchte so stark und eloquent wie möglich zu mimen.

[Lynx & Takata (Pantalaimon & Roghir in der Nähe) | Eisschlucht des Todes]

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Roghir
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Roghir ist offline
09.10.2022 20:44

Roghir schaute sich um, seine Ohren zuckten unruhig hin und her. Witternd hielt er seine schwarze Schnauze nochmals in den kalten Wind des eisigen Landes. Takata’s Geruch war noch da, doch sehr schwach. Der schwarze Rüde schaute zu Pan und teilte seinen Blick der Ratlosigkeit. Da hatte er eine Spur zu der weißen Fähe gefunden und schon drohte sie wieder zu verschwinden! Roghir knurrte verärgert, aber leise. Er durfte die Spur nicht verlieren! Er wollte gerade weiter ins Eisland vortreten als Pan ihn mit seiner Frage zurückhielt. Fragend schaute Roghir ihn an und spitzte die Ohren. Tatsache! Ein leises Heulen war zu vernehmen. Hoffnungsvoll schaute der Schwarze in die Richtung, aus der der schwache Ruf kam; nicht weit entfernt. Takatas Ruf war es nicht, dafür war ihm die Stimmlage unbekannt. Aber vielleicht…?

“Ja. Komm mit, Pan! Das könnte vielleicht eine Spur sein!“

, antwortete der schwarze Rüde und trabte voran. Dabei sprang er immer wieder mal über die weiße Schneemasse hinweg, um nicht viel Widerstand vor sich zu haben. Sie mussten sich beeilen, bevor sich die Spur vielleicht verlor und sie sie nie mehr wiederfanden! Seine Augen fanden bald nicht nur weißen Schnee, sondern auch grauen Felsen. So bald spürte rauen Untergrund unter seinen kalten Pfoten. Nach einer Weile bemerkte er zwei, nein, drei Gestalten in der Ferne. Roghir’s bernsteinfarbene Augen weiteten sich. Er erkannte Takata unter den Wölfen.

“Takata!“

, rief er laut und schob sich noch etwas schneller voran. Gott, sie hatten sie gefunden! In seinen Augen glomm Erleichterung auf. Als er mit Pan die drei Wölfe fast erreicht hatte, verlangsamte der Schwarze seine Schritte und blieb einige Meter vor der weißen Fähe stehen. Sein bernsteinfarbener Blick schaute ihr ins Gesicht, während er sein wildschlagendes Herz vom kleinen Sprint zu beruhigen versuchte. Während er hechelnd um Atemzüge kämpfte, glitt sein Blick langsam zu den anderen Wölfen neben Takata. Ein Rüde und eine Fähe. Dem Abstand nach zu urteilen schien Takata den Rüden zu kennen, sonst würde er nicht so nahe bei ihr stehen. Nicht jedoch die Fähe. Ihr größerer Abstand zu der weißen Fähe und ihrer beiden Positionen nach zu urteilen, kannten sie sich nicht. Also war die graue Fähe ebenso eine Fremde. Roghir schaute ernst wieder zu Takata:

“Takata, wir müssen… reden!“

Der schwarze Rüde überlegte nochmals wie er es Takata schonend beibringen konnte, ohne, dass sie ihm oder seinem Begleiter an die Kehle ging.

[Bei Pan, Takata, Lynx & Valdis | Eisschlucht des Todes]


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Avon
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Avon ist offline
11.10.2022 11:58

Wie … tut dein Kopf noch weh ? Hatte Yarok etwa den Eindruck, er hatte was am Kopf? Aber nein. Das war ganz normal … bei ihm. Quatsch. Der neue Wolf, den er anfangs so herzlich begrüßt hatte, machte sich nur ernstlich Sorgen um seinen Gesundheitszustand. Weil er eins auf den Deckel bekommen hatte von einem …. Schwan. Aber es war alles noch einmal gut gegangen, er hatte Schwan gehabt .. uhm ... Schwein gehabt und durfte noch etwas unter den Lebenden weilen. Also auch unter den Kachniks dieser Welt. Nicht unbedingt eine Auszeichnung, aber zumindest ein Anfang. Es gab ja auch noch andere Wölfe auf Erden … Roghir zum Beispiel. Urks.
Der Rüde, der sich nach seinem Wohlsein erkundet hatte, verschlang das Stück vom Küken und war satt … für die nächsten drei Atemstöße.
Ja, ja, da brauchte dieser elende Kichnik gar nicht so verstohlen aus seinen feuchtglänzenden, brillierend-schimmernden … Milchaugen … funkeln. Er würde nichts von der satten Beute – ein ganzes Küken immerhin – abbekommen … und wenn er Kopfstand machte! Manchmal war es sowieso schwer zu deuten, wo bei ihm Kopf und wo der Hintern war. Pah.
Aber da begann sich Avon schon fast ein zweites Mal an dem Küken zu verschlucken. Er … war … zu … feige?! Ja, sapperlot! Wie konnte er ihm so etwas unterstellen? Avonasac hatte doch überhaupt erst Einsatz gezeigt und während Kichererbsen-nik wie ein Welpe feuchtfröhlich am Ufer geplanscht hatte, hatte er sich in die Schlacht mit einem schwadronierenden Schwan begeben und vollen Einsatz gezeigt. Er hatte die Beute besorgt, während Kuchnik seine Chance auf satte Beute hatte entkommen lassen!

„Man kann Wasser gar nicht atmen!“, fauchte er stattdessen voller Erregung und spuckte Reste des Seewassers über den Platz. So, das musste mal gewufft werden! Das brachte doch nur zum Ausdruck, wie wenig Ahnung Lerio von den phuseligen … phukalischen … physiokalischen Gesetzen hatte!
Erst Kachniks nächste geistlose Äußerung brachte Avon noch einmal dazu, unfreiwillig innezuhalten und die Ohren zu spitzen. Was gab er da von sich? Er hatte sein … das war ja unverschämt!

„Ich hab wenigstens Hirn, du Küken-Klauer!“, jaulte er cholerisch und wippte dabei mit der Rute, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Avons Lefzen bebten. Er stand kurz davor, dem Müffelwolf an den Kragen zu gehen. Er ertrug es nicht, beschuldigt zu werden, nachdem er sein Leben fast eingebüßt hatte in dem Wasser. Wäre er nicht rechtzeig wieder aufgewacht, wäre er ertrunken. Und er hätte Yarok zugetraut, ihm zu helfen, nicht aber dem Milchauge, der nur am Rand der Szene gestanden und wirres Zeug gefaselt hatte. Es verärgerte den Timber wie noch nie etwas zuvor, von ihm so gedemütigt zu werden … so stehen gelassen worden zu sein … dass er ihm nicht aktiv geholfen hatte .. weil er sich doch insgeheim immer gewünscht hatte, sie würden mal so etwas … wie Freunde werden.

„Ja, ja, geh nur. Such dir deine eigene Beute, Dicker“, maulte er verärgert und ernsthaft enttäuscht, bevor er sich weiter dem Rupfen des Kükens zuwendete, das in diesem Moment für all seinen Frust und seine Enttäuschung herhalten musste.



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Pantalaimon
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Pantalaimon ist offline
12.10.2022 13:38

Wieder eilte Roghir voraus, dicht gefolgt von Pan, der währenddessen die Augen etwas zusammenkniff. Dort wo Licht auf die Schneemassen fiel blendete ihn das Weiß. Zum Glück hatte sein neuer Freund einen so dunklen Pelz, dass er ihm ohne große Schwierigkeiten folgen konnte. Tief versanken ihre Pfoten ihm Schnee, doch nach und nach wurde es weniger und der Boden härter, rauer Stein ragte nun dunkel und eindrucksvoll aus dem Weiß. Sie hatten die Schlucht erreicht.

Pan roch die anderen, bevor er sie sah. Doch zu seiner Überraschung standen nun nicht mehr weit entfernt 3 Wölfe, statt der einzelnen gesuchten Fähe – Takata, erinnerte sich Pan. Ihren Geruch und den des fremden Rüden erkannte er von ihrer Beinahe-Begegnung wieder. Die dritte Unbekannte jedoch, war ihm zuvor nie unter die Nase gekommen. Zwischen den beiden Parteien schien es Spannungen zu geben. Zumindest die beiden Wölfinnen standen sich aufgebracht gegenüber.

Weiter folgte er Roghir, der die Drei inzwischen ebenfalls längst erspäht hatte. Man konnte die Erleichterung in seiner Stimme hören, als er nach der Weißen rief. Als er langsamer wurde, ließ auch Pan sich etwas zurückfallen. Immerhin wusste er nicht, wie die anderen auf einen weiteren Fremden reagieren würden, gerade jetzt, wo die Stimmung ohnehin jeden Moment zu kippen drohte. Was mochte diesen Konflikt ausgelöst haben, fragte sich der Braunpelz und spähte seitlich an Roghir vorbei.

Takata und die beiden Unbekannten hatten sich ihnen nun ebenfalls zu gewandt. Doch Pan entdeckte etwas, das halb begraben zwischen ihnen im Schnee lag. Zeitgleich hallte ein krächzender Ruf über den Stein. Ein Rabe saß unweit des Geschehens auf einem Felsvorsprung und genoss das Theater. Pan erinnerte sich nun, was seine gefiederten Freunde ihn hatten zeigen wollen und es war nun auch klar, was hier zu Streitigkeiten führte – frische Beute. Selten, wie sie im Ödland geworden war, war es keine Überraschung, dass die Kunde sich schnell verbreitete und allerlei Bedürftige anlockte. Auch Pan selbst war keine Ausnahme. Im Maul lief ihm das Wasser zusammen, doch er straffte die Schultern und richtete den Blick zurück auf seine Artgenossen. Niemals wäre er so aberwitzig zu versuchen einen Teil der Beute zu beanspruchen.

Viel wichtiger war nun außerdem, dass Roghir es schaffte Takata das mitzuteilen, was ihm scheinbar so sehr auf der Seele brannte.

[mit Roghir | angekommen bei Takata, Lynx, Vladis | Eisschlucht des Todes]

'You crave the applause, yet hate the attention, then miss it - Your act is a ruse.'

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Takata ist offline
12.10.2022 15:59

Für einen Augenblick wirkte die Fremde verunsichert, was Takata fast schon als Sieg verbuchte. Sie solle umdrehen und Kehrt machen! Dies war weder ihr Revier, noch ihre Beute. Lynx dagegen würde sich weniger abweisend zeigen ... er hatte etwas von einem Beschützer, von einem Kümmerer. Etwas, das sie für gewöhnlich auch an ihm schätzte ... etwas, das sie für sich beanspruchte und nicht teilen würde. Die eingedrungene Fremde war etwas jünger als sie, das sah man ihr an, auch wenn sie ausgewachsen war. Sie wirkte unverbraucht, aber auch unerfahren und geradezu jünglich. Sie würde nicht abwarten, dass Lynx Sympathie für sie entdeckte. Denn Takata hatte seit langem einen Freund für sich gewonnen und war nicht bereit, ihn an ein vermeintlich fragileres Geschöpf zu verlieren. Sie würde eher etwas von dem Reh abgeben, als darauf zu warten, dass der weiße Rüde einen Schritt auf sie zutat - und damit von ihr weg.
Als die Fremde meinte, sie wäre nicht krank, musste Takata ein abgehacktes Lachen ausstoßen. Woher wollte sie das wissen? Am Ende war es gar umgekehrt und sie waren krank, dann war die Hinzugekommene es, die sich in Gefahr brachte. Das jedoch war ihr vollkommen egal. Sie empfand keine Zuneigung und kein Mitgefühl für die Jüngere. Takata hatte all ihr Mitgefühl, ihre Geduld und Aufopferungsbereitschaft in einem Rüden versenkt, der sie nicht verdient hatte, der sie als Spielball seines abstoßenden Zynismus missbraucht hatte. Niemals mehr wieder wollte sie Gefahr laufen, den falschen Wolf zu ehren. Lynx dagegen gab zurück, was sie investierte, er war es wert, gemocht zu werden.
Noch eh sie auf ihre leise Frage eine Antwort geben konnte, Zweifel darüber streuen konnte, woher sie denn wissen wollte, dass sie nicht krank sei, da äußerte sie etwas, dass Takata zunächst eher verwirrte. Sie wollte - auch aus einem bestimmten Wunschdenken heraus - verneinen und ihre Andeutung selbstsicher zerschlagen, als ihre Nase sie dezent darauf hinwies, dass an der Äußerung wohl oder übel etwas dran sein mochte.
In einer Gegend, die nicht einmal den Ratten ein Heim war, die keine Lebensgrundlage bot, tauchte plötzlich mehr Leben auf, als ihr lieb sein konnte. Sie riss den Kopf erschrocken herum, wie es womöglich auch Lynx tat und nahm damit erstmals Notiz von den sich nähernden Wölfen von hinten. Ein höchst fremder Geruch mischte sich mit dem eines ... beinahe fremden. Sie wollte ablehnen und bestreiten, etwas mit ihnen zu tun gehabt zu haben .. doch ihre jüngste Vergangenheit holte sie ein in Form eines Wolfs, den sie nur kurz etwas kennen gelernt hatte. Wie erstarrt blieb sie stehen und sah gebannt auf die Stelle, wo wenig später der dunkle Fleck auftauchte …. zusammen mit einem weiteren dunklen Fleck, der ihr gänzlich unbekannt war.

„N-nein …“, hauchte sie erschrocken und etwas widerspenstig, das nicht wahrhaben wollend.

Wieder ging sie in Abwehrhaltung, legte die Ohren zurück und ließ die Lefzen beben. Dabei war ihr im Grunde klar, dass sie rein physisch nichts gegen den Rüden ausrichten konnte, der dank Skadis ausgedehnter Gastfreundschaft zuletzt zu ihrem Rudel gehört hatte. Doch wen er dort mit anschleppte – den Rüden weiter hinten – war ihr nicht bewusst. Ob es ein alter Kumpane des Neuzugangs war?
Fast hätte sie vergessen, die fremde Wölfin im Blick zu behalten. Sicher grub sie schon nach ihrem Reh, aber ein Blick zurück verriet ihr, dass dem nicht so war.

Takata fühlte sich überfordert von der Situation, auch als der ihr halb-beklannte Wolf meinte, dass sie etwas klären mussten. Sie wusste beim besten Willen nicht, was das sein sollte. Denn für den Fall, dass er gekommen war ihr mitzuteilen, dass die Krankheit nun unter ihren alten Rudelgefährten grassierte, hielten sie besser Abstand.

„Bleibt zurück! Ihr seid alle krank!“, fauchte sie verärgert und etwas benommen. Das war nicht sicher, aber die Gefahr bestand und sie hatte keine Lust, sich anzustecken, denn noch fühlte sie sich – zumindest körperlich – ganz gesund. Vor allem aber schwebten unbeschreibliche Verlustängste über ihr … Ängste, ihren neu gewonnenen Freund und Weggefährten Lynx zu verlieren, sei es durch die Krankheit oder eine physische Auseinandersetzung … denn sie traute den (Halb-)Fremden fast alles zu …

(Lynx , Valdis, Pantalaimon & Roghir | Eisschlucht des Todes)



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Aarinath
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Aarinath ist offline
12.10.2022 19:20

Inzwischen hatte das Trio den Wald und dessen Bewohner weit hinter sich gelassen und das Land wurde in geheimnisvolles Weiß getaucht. Da war kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm, der das weiße Leichentuch zu durchbrechen wagte. Mit dem Weiß war auch die Stille hereingebrochen, die dem einen oder anderen Wolf ein mulmiges Gefühl in der Magengrube bescheren würde. Aarinath hingegen war mit Schnee und Eis so vertraut, dass sie im Beisein ihrer Begleiterinnen ein selbstbewusstes Bild abgab.

Während sie sich ihren Weg weiter und weiter bahnten, knackte der Schnee unter den Schritten ihrer Pfoten. Schon seit Ewigkeiten hatte sich kein Lebewesen den Mut zugesprochen, die weite Polarwüste zu betreten. Die Schneedecke war gänzlich unversehrt und erstreckte sich in ihrem monotonen Sein bis in die ferne Ewigkeit.
Es musste schon sehr viel Glück dazugehören, wenn die Wölfinnen ausgerechnet in dieser lebensverneinenden Umgebung auf Beute stoßen würden. Neben den fehlenden Geräuschen misste Aarinath außerdem die vielen Geruchsnuancen, die der Wald zu bieten hatte. Selbst die vielen Düfte waren mit dem Schnee gedämmt, ja fast schon erstickt worden.

Allmählich schlichen sich Zweifel in ihre Gedanken ein, ob diese wagemutige Reise wirklich das Risiko wert war und wie hoch ihre Erfolgschancen überhaupt sein mochten. Ein wenig Zeit würde das Rotauge der Sache noch geben, doch dann würde sie ihre Bedenken laut kundtun.

„Da kommt es uns wieder zu Gute, dass wir alle einen anderen Hintergrund haben. Durch unsere verschiedenen Erfahrungen hat jeder seine ganz eigenen Stärken für sich ausgemacht.“, ergänze Aarinath Ayjanas Worte und konnte ihr Zweifel bei Seite drängen. Fürs Erste jedenfalls.

Ein kleiner allerdings dunkler Schatten schwebte über ihre Köpfe hinweg und war sobald auch wieder verschwunden. Waren das etwa schon diese Trugbilder, denen man nachsagte, dass sie in den Weiten des Nichts auftauchen konnten? Unwahrscheinlich, denn sie waren noch nicht zu weit in die Polarwüste vorgedrungen und außerdem überraschten diese Erscheinungen viel mehr die einsamen Wanderer.
Vorsichtig hob Aarinath den Blick gen Himmel und erschrak als sie einen pechschwarzen Raben im unmittelbaren Sturzflug auf die drei Wölfinnen über sich hinabrasen sah. Der krächzende Ruf des wahnsinnigen Gefiederten ließen Aarinaths Nackenhaare sich sträuben, was die ohne Zweifel Hünenhafte noch größer wirken ließ. Sie wirbelte herum, versuchte seinem wilden Schauspiel am Himmel zu folgen und sich vor die kleine Gruppe zu stellen. So hätte es ihr Vater schließlich auch getan.

Schwer bebte ihr das Herz in der Brust und begriff nicht, was dieser kleine Vogel für eine fürchterliche Aufregung auslöste. Auch im Geiste konnte Aarinath nicht folgen, was in dieses verrückte Federvieh gefahren sein musste. Inzwischen war der Schwarzgefiederte in das Leichentuch hinabgekracht und zwischen den aufgewirbelten Schneepartikeln nicht mehr zu sehen. Hatte es ihn etwa erwischt?
Vorsichtigen Schrittes näherte sich Aarinath dem winzigen Schneekrater und nahm schon aus der Ferne wahr, dass sich der vermeintliche Sturzflieger nach einigen unbeholfenen Bewegungen wieder in die Lüfte erhob. Das Rotauge warf ihm noch einen zornigen Blick hinterher und ließ ein Knurren verhallen.

„Der … der spinnt doch!“, keuchte Aarinath völlig perplex. Ihre Mine wurde wieder zarter, die wütende Grimasse glättete sich allmählich. „Ich weiß nicht so recht, aber bei uns sagte man immer, dass Raben uns zu Nahrung führen würden und auch dazu bereit sind, diese mit uns zu teilen. Doch bei diesem Wahnsinnigen bin ich mir nicht sicher. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich erschrocken habe …“

Aarinath suchte abermals den Himmel ab und meinte, dass der schwarze Vogel das Weite suchen würde. Sie ging wieder einige Schritte auf ihre zwei Weggefährtinnen zu.

„Gut, dass du das ansprichst, Ayjana. Ich wollte nicht zu pessimistisch sein, aber dieser Pfad bereitet mir Unbehagen. Die Polarwüste mag zwar meine zu Hause sein, allerdings habe ich hier keine Spur von Leben wahrnehmen können. Irgendwie habe ich immer weniger Hoffnung, dass wir hier erfolgreich sein werden.“

Über die eigenen Worte nicht ganz zufrieden hüllte sie sich wieder in Schweigen. Jetzt stand sie wieder näher bei den zwei Wölfinnen und hoffte, dass die Gefahr gebannt war.

[Ayjana, Shiro | in der Polarwüste]


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Yarok
Beschützer


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Yarok ist offline
21.10.2022 12:17

Yarok fühlte sich plötzlich als stünde er mitten im Wasser auf einem schmalen Felsen und rechts und links von ihm schlugen heftige Wellen aneinander und besprühten ihn mit Gicht. Diese Gefühl verursachten die beiden Streithähne um ihn herum und der junge Rüde legte unbehaglich die Ohren zurück. Er fühlte sich in der Mitte eines Konfliktes mit dem er gar nicht zu tun haben wollte. War es nun seine Aufgabe, diesen Streit zu schlichten? Konnte er das überhaupt? Die beiden hatten sich doch seit er sie kannte nicht wirklich riechen können, war da noch was zu machen? In diesem Moment wünschte er sich so weit weg wie nur irgendwie möglich, an die Seite von Niyol und Roghir oder zu den Fähen. Er würde jetzt lieber erneut mit der biestigen Takata konfrontiert werden, als mit den beiden Kerlen hier, die aussahen als würden sie sich gleich an die Gurgel springen…

Dabei wollte er doch nur seinen Wert in seinem neuen Rudel beweisen. Eine erfolgreiche Jagd vorweisen und das hungrige Rudel zumindest einen Moment lang vom Verlust ihrer Alphafähe ablenken. Was brachte es, wenn sie ihr Leben bei der Jagd ließ und das Rudel dann tage später kläglich verhungerte? Nach dem Tod seiner Schwester war da endlich wieder jemand, der sich auf ihn verließ und er wollte niemanden enttäuschen. Nicht erneut…
Sein Nackenfell stellte sich auf, bevor er überhaupt merkte, wie eine Welle hilflosen Zornes über ihn rollte. Ein Gefühl, welches Yarok gleichermaßen überforderte und beflügelte. Und es brachte ihn dazu, sich aufrecht hinzustellen, die Rute anzuheben und seinen beiden Begleitern einen Moment lang fest in die Augen zu starren.

“Jetzt beruhigt euch mal, alle beide!“, knurrte er. “Das war von Anfang an keine koordinierte Jagd. Avon, du kannst Kachnik nicht vorwerfen, dass er nicht sofort seinen Platz in dem Chaos gefunden hat. Und Kachnik, Avon war nicht zu feige die Beute in Schach zu halten, sie hat ihn buchstäblich ausgeschaltet. Also raufen wir uns jetzt zusammen und suchen nach richtiger Beute, denn dieser kleine Happen Futter ist es nicht wert, überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden. Davon werden wir nicht satt und das Rudel erst recht nicht! Also auf geht’s, die anderen verlassen sich auf uns!“

Er wusste nicht, ob seine Worte bei den beiden Sturköpfen ankamen, doch es war ihm egal. Er fuhr herum und ohne einen Blick zurück stapfte er los, in der Hoffnung sie würden ihm folgen. Was er tun würde, wenn sie sich dagegen entschieden wusste er nicht. Zur Not würde er alleine jagen. Zumindest ein Kaninchen oder ein Fasan dürfte doch möglich sein. Besser, als mit leeren Fängen zurückzukehren und in die enttäuschten Gesichtern des ganzen Rudels blicken zu müssen. Nein, er würde ihnen erst unter die Augen treten, wenn er erfolgreich gewesen war!
Seine Ohren drehten sich zurück, abwartend und hoffnungsvoll. Ob die beiden ihm trotz seiner harten Worte folgen würden? Oder hatte er es schlimmer gemacht?


[Kachnik und Avon | Mondscheinsee]

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Valdis
Die Eiskönigin


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Valdis ist online
24.10.2022 12:44

Valdis verharrte in ihrer abwehrenden Haltung. Ihre Ohren eng an die Seite ihres Kopfes gelegt, die Rute stolz erhoben und die Lefzen leicht kräuselnd, mit einem leichten, knurrenden Ton.
Die Weiße war nicht mehr bei Trost!, dachte Valdis. Sie schien älter zu sein als sie selbst, sie war selbstbewusst, doch etwas an ihr verwirrte die Graue. Sie wusste nur nicht, was. Diese ganze Krankheitsgeschichte und ihre Abwehr waren Valdis ein Rätsel. Worum ging es? Was war die Krankheit? Wer war davon befallen?
War sie möglicherweise wirklich krank und merkte es nur nicht? Sie schüttelte den Kopf, als könnte sie somit ihre Gedankenspirale am weiterdrehen hindern.

Aus der Ferne beobachtete Valdis nun, wie sich zwei weitere fremde Wölfe näherten. Sie reckte die feuchte Wolfsnase in den Wind und sog ihren Duft ein. Zwei Rüden, schien es, was sich bestätigte als die beiden dunklen Wölfe näher kamen. Kannten sie sich? Valdis wusste es nicht. Zumindest sprach einer der Rüden, dessen Fell schwarz war, die Weiße an. Takata also, dachte Valdis. Immerhin wusste sie nun ihren Namen.

Die beiden Rüden kämpften sich durch die dicke Schneedecke, kamen aber Sprung für Sprung über das Eis näher. Der Schwarze rief Takata etwas zu, anscheinend musste er ein Gespräch mit der Weißen führen. Deren Reaktion war allerdings alles andere als normal. Erst hauchte sie ein "nein" und dann...sprach sie wieder von Krankheit! Was war nur mit ihr los? Hatte sie den Verstand verloren?

Fauchend sprach Takata davon, dass die beiden Rüden sich nicht nähern sollten. Was ging nur in ihrem Kopf vor? Krankheit würde man doch sicher bemerken.
Valdis dachte dabei an blutende Wunden oder den Geruch von Verwesung. Doch nichts davon bemerkte die Graue. Sie legte den Kopf schief und beobachtete weiterhin, wie sich die anderen Wölfe näherten.

Sie ließ ihre Ohren nach vorne schnippen und betrachtete die Szenerie, als wäre sie nicht Teil des Treffs. Sie verstand überhaupt nicht diese Aufregung. Takata und ihr Krankheits-Wahnsinn, dachte sie und schnaufte.

Gedanklich versuchte sie, sich klarzumachen was hier passierte. Zwei Wölfe, einer davon diese Takata und der Rüde, der sich aus allem raushielt.
Dann die beiden Rüden, die Takata kannten, aber die die Weiße nicht sehen wollte, weil sie irgendeine mysteriöse Krankheit haben sollten...
Und das Reh? Vielleicht wäre es jetzt der richtige Zeitpunkt sich ganz langsam zu entfernen und Valdis Zähne in den Kadaver zu schlagen...

[bei Takata, Pan und Roghir // Eisschlucht]

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Roghir
Courageous Fighter


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Roghir ist offline
05.11.2022 19:43

Roghir ließ seinen Blick nochmals zwischen der grauen Fähe und dem Rüden in der Nähe Takatas schweifen. Dabei suchte er im seinem Kopf nach der passenden bzw. schonenden Formulierungen für Skadis Tod. Doch ihm fiel kein gerechter Satz ein, außer die Wahrheit direkt anzusprechen. Als der schwarze Wolf wieder zurück zu Takata schaute, sah er, dass sich ihre Körperhaltung von geschockt und ungläubig zu ärgerlich und abwehrend verändert hatte. Geahnt hatte er es schon, dass sie ihn nicht herzlich willkommen heißen würde nach der Zeit oder in positiver Überraschung verfallen würde, sondern ihn zum Teufel jagen könnte. Aber diese Erkenntnis zur Gesicht zu bekommen, ließ ihn ungewollt seinerseits seine Körperhaltung verändern; sein Haupt beugte sich vor, seine Lefzen zogen sich zurück, seine Ohren nach hinten gedreht und seine Rute leicht aufgerichtet. Er spürte nur nebenbei, dass Pan ebenfalls am Platz des Geschehens angekommen war.

„Takata, hör mir zu! Ich weiß, du hast das Rudel verlassen, aber es ist wichtig. Lass mich dir das mitteilen, weshalb ich hier bin. „

, sprach Roghir ernst und schwieg. Fürs erste. Nach wenigen Sekunden sprach er weiter:

„Skadi… sie starb bei einem Jagd-Unfall. Sie hat uns gerettet als der Wapiti-Bulle drohte, Shiro, Niyol und noch 2 andere Kameraden zu überrennen! Das Geweih hatte ihre Brust durchbohrt!“

, teilte Roghir ihr mit, während er seine angespannte Körperhaltung lockerte. Sein bernsteinfarbener Blick wurde sanft und er schaute der weißen Wölfin ins Gesicht. Er nannte mit Absicht nicht seinen Namen. Es würde sie nur bestärken. Und nun würde sich zeigen, was sie daraus machen würde.

Ebenso sprach er auch die Krankheit nicht an. Verdammt, es war egoistisch von ihm, dass empfand er ja selbst, aber er wollte niemanden in Panik versetzen. Wohlmöglich hatte seinen grau-braunen Begleiter schon angesteckt mit der Krankheit. Diese Ungewissheit, nicht zu wissen, ob er sich nun angesteckt hatte und es ungewollt weitergab und welche Auswirkungen es hatte, nagte tief in ihm. Doch nur mit Hoffnung konnte ein Individuum noch weiterleben. Sonst verfiel das Individuum erst in Zorn und Panik, dann in Resignation. Dann wäre das Leben nicht mehr lebenswert und es wartet auf den eintreten Übergang ins Jenseits. Roghir sah seinen weißen Atem vorm Gesicht, während er auf die Reaktion von Takata wartete. Um die zwei anderen Artgenossen würde er sich Gedanken machen, wenn es so weit war. Und er hoffte, dass Pan ihm den Rücken verteidigen würde.

[bei Pan, Takata, Lynx, Valdis | Eisschlucht]


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Wolf Picture by Lakela (dA), skyfever (dA) Wald (Pixabay, stevepb) & Schrift (Pixabay, ractapopulous)

Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von Roghir am 05.11.2022 19:43.


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KuroShiro
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4 Jahre
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KuroShiro ist offline
06.11.2022 12:27

Die Zuversicht, die aus den Worten der beiden Weißen klang, entlockte Shiro ebenfalls ein kleines Lächeln.
"Solange wir zusammenhalten, bin ich sicher, dass wir die Widrigkeiten, die uns das Leben stellt, überwinden können.", sagte sie. Auch wenn es pathetisch klang... seit langer Zeit war dies das erste Mal, dass sie am Horizont einen Hoffnungsschimmer durch das endlose Weiß blitzen sah.

Vertieft in ihre Gespräche waren die Wölfinnen ohne es zu bemerken, aus dem Beerenwald hinaus in die Ausläufer der Eiswüste gelaufen. Das laute Krächzen eines Raben riss sie unsanft in die Realität, das Hier und Jetzt, zurück. Wie ein Kamikazekrieger stieß der große Vogel im Sturzflug herab und verfehlte die kleine Gruppe knapper, als es Shiro lieb war. Sie schnaubte.
Ayjanas Einwand teilte sie, ebenso wie Aarinath, jedoch nicht.
"Ich mag Vögel nicht besonders.", murrte sie leise, "Doch sie sehen viel weiter als wir und auch ich habe gelernt, auf das Urteil fliegender Jäger - und Aasfresser - zu vertrauen. Bei diesem hier jedoch..." Sie brach ab, ließ ihre Bedenken unausgesprochen. Aarinath hatte die richtige Festellung, wenn auch eher rethorisch gemeint, schon ausgesprochen. "Der spinnt doch."

Shiro ließ den Blick schweifen. Weißer Schnee, soweit das Auge reichte.
"Wir sind zu weit gegangen.", sagte sie, den anderen zustimmend. "Hier draußen werden wir keine Beute finden. Lasst uns umkehren.", schlug sie dann vor und wandte sich zu den beiden Weißpelzen um.
"Im Wald haben wir nicht mal den Hauch einer Fährte gefunden.... wo sollen wir Nahrung finden?", dachte sie bei sich und zog besorgt die Stirn kraus. Sie mussten bald etwas finden, ob tot oder lebendig... etwas, was nicht krank war. Wieder blickte sie zu dem schwarzgefiederten Raben hin, der sie aus sicherer Entfernung zu beobachten schien. Ob er mit ihnen sprechen würde?
"Was meint ihr.... ob der Bruchpilot mit uns sprechen würde?"

[Aarinath, Ayjana / Ausläufer der Eiswüste, Beerenwald]




Still the seeing eye is useless, if you haven't a feeling heart.


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NPC ist offline
07.11.2022 08:54





Die drei Punkte kamen näher, ein Stück immerhin, waren schon zu unansehnlichen dunklen-hellen Flecken geworden. Die Eine wirkte, als hätte sie den anderen beiden jegliche Farbe geklaut, so blass wie die wirkten. Ihre Bewegungen waren von einer Spur Unsicherheit gezeichnet. Mhhh, Unsicherheit! Er nährte von Unsicherheit. Köstlich! Die großen Räuber, die sich für die Könige der Nahrungskette hielten, verwässerten in lieblicher Unsicherheit. Wie erquickend für das garstige Rabenauge!
Langsam kam er ein Stück näher gehüpft, schüttelte dabei seine Flügel und nahm die drei fremden Räuber genauer unter die Lupe. Diese Wesen wirkten so fehlplatziert wie eine Kellerassel auf hoher See. Oh ja, Kellerasseln waren sie, die hervorgekrochen kamen, weil jemand einen Stein angehoben hatte. Jetzt irrten sie blind und unsicher herum und suchten die nächste dunkle Ecke, unter der sie Schutz fanden. Aber hier gab es keinen Schutz. Hier gab es nur lieblich weißen Pulverschnee, der feste Gestalten wie diese da umarmte, bis sie in ihm versanken und jämmerlich erstickten. Köstlich!

„Krah krah“, fuhr es aus seinem Schnabel und er besah die Drei wie ein Abenteurer eine neu entdeckte Lebensart auf einer seiner Erkundungstouren. Sieh sieh, drei pelzige Wesen mit spitzen Ohren und nassen Nasen. Wie nennen wir diese neue Asselart? Verirrtes Spitzohr auf Abwegen?

„Schau an, wen wir da haben. Das müssen sie sein! Die irren Traumgestalten“

Er wirkte sichtlich amüsiert und sah immer wieder nach links. Seine Belustigung gipfelte im mehrmaligen Schlagen der Flügel, im steten Auf- und Abspringen mit den beiden nackten Krallenfüßchen. Er besah sie noch mal, schweigend, als konnte er nicht glauben, dass diese Asselartigen wirklich existierten, hier, quasi im Nichts. Nach einiger Zeit hüpfte er ein Stück nach links, stoppte, drehte sich dann nach rechts um und erwiderte auf sich selbst.

„Irre! Irre! Ja, das sind sie! Völlig irre! Krah!“

Stille. Er putzte sich das Gefieder. Elende Parasiten. Dann sah er mit blitzenden schwarzen Augen auf die Fremden, die da herumstanden wie die Ölgötzen. Eine Sensation waren sie. Schlagende Herzen auf dem Weg ins Grab. Ein Schauspiel, das er sich nicht entgehen lassen würde!

[Aarinath, Shiro, Ayjana | Polarwüste]

Rabenfoto - © Kytalpa [klick]

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Kachnik ist offline
09.11.2022 23:57

Er starrte auf den schönen Boden, als wäre er das Wunderschönste, das der junge Rüde je gesehen hatte. Diese Textur, dieser Braunton ... Er bündelte seine ganze Gehirnkraft, um nur nicht die anderen anzuschauen und kostbare Energie an sie zu verschwenden. Er zitterte leicht von der feuchten Kälte und dem leichten Wind, und auch etwas in seinem Inneren fror und schauderte. Wenn er diesen Unholden die Genugtuung geben würde, den erbärmlichen Ausdruck ihres Opfers zu erblicken, die würden wie die schmutzigen Krähen vor Lachen krächzend in Kreisen um seinen Kopf fliegen!

Ausdruckslos hob er den Blick vorsichtig auf den See und das hinterhältige blendende Glitzern der Sonne auf den Wellen. Und ... er wollte denen auch nicht etwas antun, selbst wenn sie ganz klar gemeine Gestalten waren, dazu waren die beiden ihm bereits zu ... nun, sie hätten so oder so keine Chance gegen Kachniks scharfen Zähne und wenn er auf ihre Provokationen einging und sein wahres blutrünstiges Gesicht zeigen würde, wäre er kein besserer Wolf als diese primitive Zweierbande ohne Tugenden! Genau, der gefürchtete Kachnik würde sich schon gar nicht von solchen Wichten unterkriegen lassen, ihre Manipulationstaktiken hatten keinen Einfluss auf seine hochwertigere Gehirnmasse!

Der Graue war auf sich allein gestellt, das war ihm klar. Avons Gewuffe war nur lästiges Hintergrundgeräusch ... nur ein schimmlig grauer Fleck in der Ästhetik dieses Sees. Hatte der Tollpatschwolf seine eigene Charakterschwäche erkannt? Er wollte es wohl nicht wahrhaben, doch war dieses Ausmaß an roher Aggression die Lösung seines Problems? Sehr wohl nicht! He. Solch ein welpisches Verhalten! Kachnik schüttelte seinen Kopf mit gekrauster Nase. "Deine Stimme ist beleidigend für meine Ohren.", verkündete er, im starken Kontrast zu Avons unbändigem Gejaule, ruhig und gefasst, obwohl, wenn man genauer hinhörte, wohl auch irgendwie etwas traurig.

"Und man kann ... man kann Wasser sehr wohl atmen. Und auch ... ausatmen, wie du uns gerade demonstriert hast. Dummbatz." Er legte seinen angespannten Kopf kurz in den Nacken und blickte daraufhin weiter in Richtung Wasser. Sein Rachen fühlte sich zunehmend seltsam verstopft an, während er so über das Wasser hinwegblickte, aber er konnte seinen Blick auch nicht abwenden, als würde etwas in seinem Inneren gebannt auf etwas warten ... was nicht kommen zu schien.
"Außerdem, ich bin nicht dick, ich denke du hast wohl ein Problem mit deinen Augen.", murrte er mit einem immer abwesenderen Ton. Er mochte es hier nicht. Es klang so als würden ihn irgendjemand in den Wellen mit tiefen Stimmen auslachen, sich gegenseitig Sachen zuflüstern, und ab und an meinte er einen großen Schatten unter der Wasseroberfläche auf- und wieder abtauchen zu sehen. Sein Herz zog sich zusammen.

Verstummt lauschte er Yarok mit gerunzelter Stirn, dessen Stimme ungewohnt scharf für ihn in seinen Ohren klang. Ja, ja, sagte er zu sich kleinlaut, und schaute trotzig wieder zu Boden. Er legte allmählich verunsichert die Ohren dicht an, als Yarok immer noch im selben un-yarok-haften Ton weitersprach. Schon gar nicht traute er sich nicht zu ihm hinüber zu schauen. Weg von hier, klang gar nicht so schlecht. Weg von diesem hilflosen haltlosen Gefühl, das in diese Umgebung gewoben war, und dieser seltsamen Missgunst und Einsamkeit, die er fühlte, wenn er daran dachte, wie Avon Yarok mit solch einer Dankbarkeit angesehen hatte. Er warf einen letzten hoffnungsvollen Blick auf den See, als er ihn abrupt wieder schnaubend wegriss.
"Aber, wenn ich einen Wurm finde, ist das meiner, keine Kompromisse mit Kachnik, es sei denn, jemand will meine Wut zu spüren bekommen! Auch wenn ihr noch so viel betteln würdet und euch noch so flach vor mich wie ein Blatt auf den Boden drückt, kein einziges Duftpartikel vom Wurm werde ich gewähren!"

Trocken nickte er vor sich hin, sich selbst anerkennend. Als er sich endlich hochriss und auf wackeligen Pfoten an Avon vorbeischritt, der voller Elan wie besessen an etwas arbeiten zu schien, wischte und fegte er besonders energisch mit dem Schwanz über den Boden. Möge der gesegnete Staub auf dein Haupt niederregnen!

[Yarok und Avon | Mondscheinsee]

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